Die US-Technologie-Giganten Amazon und Apple haben mit ihren aktuellen Quartalsergebnissen für Enttäuschung gesorgt. Hohe Kosten und eine schwache Nachfrage setzen den Unternehmen zu und beeinträchtigen den gesamten Markt. Trotz einiger positiver Aspekte bleiben die Investoren skeptisch.
Investoren in Aufruhr: Miese Stimmung an den Börsen
Die Aktien der großen Tech-Firmen erlitten einen massiven Einbruch. Insbesondere Intel, dessen Aktien im vorbörslichen Handel um 20 Prozent abstürzten, erlebte einen herben Schlag, der an die Krisenzeiten vor 24 Jahren erinnert. Auch Amazon und Apple konnten sich dem Abwärtstrend nicht entziehen: Amazon verlor über elf Prozent, während Apple-Aktien nach anfänglichen Gewinnen schnell ins Minus drehten.
Der gesamte Technologiesektor geriet dadurch unter Druck. Deutsche Unternehmen wie Infineon und Aixtron verloren zwischen zwei und drei Prozent, während Süss Microtec sogar über acht Prozent einbüßte. Der europäische Technologiesektor fiel auf den tiefsten Stand seit Januar, mit einem Minus von vier Prozent.
Amazons Cloud-Wachstum und seine Kosten
Ein Lichtblick in Amazons Bilanz war das beschleunigte Wachstum der Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) um 19 Prozent. Allerdings sind hier hohe Investitionen erforderlich, um dem KI-Boom und dem steigenden Bedarf an Rechenzentren gerecht zu werden. Analyst Rohit Kulkarni von der Investmentbank Roth schätzt, dass Amazon im laufenden Jahr 65 Milliarden US-Dollar investieren wird, wovon 44 Milliarden auf AWS entfallen.
Trotz des starken Cloud-Geschäfts stellte Amazon einen verhaltenen Ausblick auf das laufende Quartal vor, mit einem prognostizierten Umsatz von 154 bis 158,5 Milliarden US-Dollar. Der weltgrößte Online-Händler kämpft weiterhin mit der Preissensibilität seiner Kunden, die zunehmend auf günstigere Produkte umsteigen. RBC-Analyst Brad Erickson warnt, dass Amazon möglicherweise noch mehr Rabatte anbieten muss, um Kunden anzulocken.
Apple: Gute Zahlen, aber nicht gut genug
Apple konnte die Markterwartungen insgesamt leicht übertreffen, doch die iPhone-Einnahmen sanken erneut um knapp ein Prozent auf 39,3 Milliarden US-Dollar. Besonders in China, dem drittwichtigsten Markt für Apple, fiel der Umsatz wegen starker lokaler Konkurrenz um 6,5 Prozent. Analyst Thiago Alves Kapulskis von der Bank Itau BBA hofft, dass die angekündigte KI-Offensive viele Nutzer zum Kauf neuer Geräte motivieren wird.
Zusätzlich bereitet der hohe regulatorische Druck in der Europäischen Union Apple Probleme. Aufgrund des Digital Markets Act (DMA) musste Apple seine Bezahl-Technologie für Drittanbieter öffnen, um hohe Strafen zu vermeiden. Dies könnte auch die Einführung von KI-Funktionen in Europa verzögern.
iPad und Mac: Lichtblicke in Apples Produktpalette
Während die iPhone-Verkäufe schwächeln, konnte Apple im Bereich der iPads und Mac-Computer punkten. Der Umsatz mit iPads stieg um fast ein Viertel auf 7,16 Milliarden US-Dollar, dank neuer leistungsstarker Modelle. Auch die Mac-Computer verzeichneten einen Zuwachs von 2,4 Prozent auf gut sieben Milliarden US-Dollar. Bemerkenswert ist, dass mehr als die Hälfte der Käufer erstmals ein Apple-Gerät erworben haben.
Fazit: Hohe Erwartungen treffen auf Realität
Die aktuellen Quartalsergebnisse von Amazon und Apple zeigen, dass selbst die größten Tech-Giganten nicht immun gegen wirtschaftliche Herausforderungen sind. Hohe Investitionen, regulatorische Hürden und eine veränderte Nachfrage beeinflussen ihre Performance. Für Investoren bedeutet dies, dass sie sich auf eine volatile Zukunft einstellen müssen – und vielleicht das eine oder andere „Haar in der Suppe“ akzeptieren sollten.
