Ein aktueller Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) wirft ein besorgniserregendes Licht auf die Arbeitsmarktsituation junger Menschen weltweit. Laut der Studie ist jeder fünfte junge Mensch (20,4 Prozent) im Jahr 2023 weder in Beschäftigung noch in Ausbildung. Trotz kleiner Fortschritte bleiben die Herausforderungen groß, insbesondere in bestimmten Regionen und für junge Frauen.
Ein Blick auf die Zahlen: Fortschritt oder Stagnation?
Seit 2005 verfolgt die ILO die Arbeitsmarktlage der 15- bis 24-Jährigen. Im Jahr 2023 verbesserte sich die Situation nur geringfügig: Der Anteil derjenigen, die weder arbeiten noch sich in einer Ausbildung befinden, sank um gerade einmal drei Prozentpunkte. Besonders alarmierend ist, dass die Mehrheit dieser jungen Menschen Frauen sind – zwei Drittel der Betroffenen, um genau zu sein. Es scheint, dass die globalen Arbeitsmarktaussichten für junge Frauen weiterhin besonders düster sind.
Ein Lichtblick? Weniger Arbeitslose
Trotz dieser ernüchternden Erkenntnisse gibt es auch positive Nachrichten. Die Arbeitslosenquote unter den jungen Menschen ist auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen gesunken. Im Jahr 2023 waren weltweit 13 Prozent der 15- bis 24-Jährigen arbeitslos – ein besserer Wert als vor der Pandemie. Diese positive Entwicklung zeigt sich jedoch nicht überall gleichermaßen.
Regionale Unterschiede: Eine gespaltene Welt
Während junge Menschen in den USA und Teilen Europas relativ gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, sieht es in anderen Teilen der Welt düster aus. Besonders in den arabischen Ländern sowie in Ost- und Südostasien hat sich die Situation verschlechtert. Hier stieg der Anteil der arbeitslosen jungen Menschen im Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie. Diese regionalen Unterschiede verdeutlichen, dass der globale Arbeitsmarkt stark fragmentiert ist.
Informelle Beschäftigung: Ein globales Problem
Ein weiteres Problem, das die ILO in ihrem Bericht anprangert, ist die hohe Anzahl junger Menschen, die in informellen Jobs arbeiten. Weltweit ist mehr als die Hälfte der jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne reguläre Beschäftigung. In Ländern mit hohem und mittlerem Einkommen ist die Situation besser, aber auch hier gibt es Bedenken: Viele junge Menschen haben befristete Verträge und leben in ständiger Angst, ihren Job zu verlieren.
Was tun? Mehr Ausbildung und Arbeitsplätze nötig
Die ILO fordert ihre Mitgliedsländer auf, mehr Ausbildungsplätze zu schaffen und sicherzustellen, dass junge Menschen die Fähigkeiten erlernen, die auf dem Arbeitsmarkt benötigt werden. Gilbert Houngbo, Generaldirektor der ILO, betont die Bedeutung von Stabilität, Einbeziehung und sozialer Gerechtigkeit für friedliche Gesellschaften. „Menschenwürdige Arbeit für die Jugend ist das Herzstück für alle drei“, so Houngbo.
Fazit: Ein Appell an die Politik
Der Bericht der ILO ist ein Weckruf: Es muss mehr getan werden, um jungen Menschen weltweit eine faire Chance auf dem Arbeitsmarkt zu geben. Dabei geht es nicht nur um die Schaffung von Arbeitsplätzen, sondern auch um die Qualität dieser Jobs. Nur durch eine umfassende Strategie, die auf Ausbildung und stabile Beschäftigungsverhältnisse setzt, kann die Jugend eine sichere und selbstbestimmte Zukunft erwarten. Es liegt nun an den Regierungen, diese Herausforderungen anzugehen und die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen.
