Die Alternative für Deutschland (AfD) hat sich seit ihrer Gründung 2013 von einer eurokritischen Partei zu einem Sammelbecken für rechtsextreme Ideologien entwickelt. Ein zentraler Akteur in dieser Entwicklung ist Björn Höcke, der Landeschef der AfD in Thüringen, der von einigen als „heimlicher Machthaber“ der Partei bezeichnet wird. Ex-Parteichef Jörg Meuthen, der Anfang 2022 die Partei verließ, gibt nun Einblicke in die internen Machtkämpfe und warnt vor den demokratiegefährdenden Zielen, die Höcke und sein Netzwerk verfolgen.
Rückblick: Meuthen und das Kyffhäusertreffen
Ein Schlüsselmoment in Meuthens politischer Karriere war das Kyffhäusertreffen 2018. Damals stand er Seite an Seite mit Höcke und weiteren führenden Figuren des rechtsextremen Flügels der AfD. Heute distanziert sich Meuthen von diesem Auftritt und bezeichnet ihn als „Kainsmal auf der Stirn“. Er gibt zu, damals die Gefahr, die von Höcke ausging, unterschätzt zu haben. Trotz seiner späteren Bemühungen konnte Meuthen den wachsenden Einfluss des Höcke-Lagers nicht stoppen und zog sich schließlich aus der Partei zurück.
Das Netzwerk hinter Höcke
Das Netzwerk, das Höcke unterstützt, hat seine Wurzeln in der „Neuen Rechten“, einer rechtsextremen Bewegung, die seit den 2000er Jahren in Deutschland an Stärke gewinnt. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der rechtsextreme Verleger Götz Kubitschek und dessen Bildungszentrum in Schnellroda. Höcke und Kubitschek sind eng miteinander verbunden; Höcke hat mehrfach betont, dass er seine ideologische Inspiration aus den Gedanken bezieht, die in Schnellroda entwickelt werden.
Die Strategie der „Neuen Rechten“ in der AfD
Kubitschek und Höcke arbeiteten gezielt daran, die AfD von einer eurokritischen zu einer rechtsextremen Partei umzuformen. Bereits 2013 schrieb Kubitschek, dass das Thema Eurokritik lediglich als „Türöffner“ dienen solle, um ihre eigenen extremen Ideen in die Partei einzuschleusen. Mit Erfolg: Höcke gelang es, diese Ideologie in die 2014 neu gegründete Thüringer Landtagsfraktion zu tragen.
Ehemalige AfD-Abgeordnete berichten, wie Höcke Fraktionssitzungen in Schnellroda organisierte, bei denen Kubitschek die Richtung vorgab. Es wurde deutlich, dass die Partei „ganz nach rechts“ gesteuert werden sollte. Viele, die diesen Kurs nicht mittragen wollten, verließen die AfD.
Die Rolle der „Jungen Alternative“ (JA)
Ein wichtiger Pfeiler von Höckes Machtbasis ist die „Junge Alternative“ (JA), die Nachwuchsorganisation der AfD, die als rechtsextrem eingestuft wird. Viele JA-Mitglieder erhalten ihre politische Schulung bei Kubitschek und werden später in AfD-Büros angestellt. Höcke verteidigt die JA vehement und hat ihr immer Rückendeckung gegeben. Meuthen beschreibt die JA treffend als „Höcke-Jugend“, die durch ihre enge Vernetzung und strategische Abstimmungen auf Parteitagen maßgeblich zum Einfluss des Höcke-Lagers beiträgt.
Höcke: Der heimliche Machthaber der AfD?
Obwohl Höcke formal nie mehr als Landeschef Thüringens war, scheint er der heimliche Machthaber der AfD zu sein. Er hat es geschafft, sich im Hintergrund zu halten und dennoch großen Einfluss auf die Partei auszuüben. Meuthen glaubt, dass Höcke sich als Führer einer größeren Bewegung sieht und geduldig darauf wartet, dass „seine Stunde“ kommt.
Fazit: Die Entwicklung der AfD in den letzten Jahren zeigt, wie gefährlich gut organisierte Netzwerke innerhalb einer Partei wirken können. Björn Höcke und sein Netzwerk aus der „Neuen Rechten“ haben es geschafft, die AfD radikal zu verändern. Für Demokraten ist es entscheidend, diese Strukturen zu erkennen und ihnen entschieden entgegenzutreten. Die Gefahren, die von Höcke und seinen Hintermännern ausgehen, sollten nicht unterschätzt werden. Es ist an der Zeit, genauer hinzusehen, bevor es zu spät ist.
