In der heutigen Medienlandschaft haben Frauen in der rechten Szene eine besondere Rolle eingenommen, die auf den ersten Blick oft harmlos erscheint. Doch hinter dem scheinbar unbedenklichen Content, den sie auf Plattformen wie Instagram und YouTube verbreiten, verbirgt sich häufig eine subtile Agenda. Recherchen des Y-Kollektivs werfen ein Licht auf diese Entwicklungen und zeigen, dass der Einfluss rechter Influencerinnen nicht zu unterschätzen ist.
Ein charmantes Lächeln mit radikalen Botschaften
Mit geflochtenen Zöpfen und wallenden Kleidern präsentieren sich viele dieser Frauen, um ein bestimmtes Bild von Weiblichkeit zu propagieren. Sie agieren als Content-Creatorinnen und versuchen, über Humor und charmante Inszenierungen an ihre Zielgruppe heranzutreten. Die Szene hat sich professionalisiert: Bei einem Treffen in Potsdam wurde die Idee einer Influencer-Agentur vorgestellt, die darauf abzielt, rechte Botschaften gezielt zu verbreiten. Das Y-Kollektiv hat verdeckt in dieser Szene recherchiert und ist den Plänen nachgegangen.
Ideologie als Witz getarnt
Nehmen wir als Beispiel die YouTuberin Michelle Gollan, die sich als „eingollan“ präsentiert. Ihre Profilbeschreibung klingt harmlos: „Mit Humor gegen den Zeitgeist“. In ihren Videos stellt sie provokante Fragen und macht Scherzanrufe in LGBTQ-freundlichen Einrichtungen. Doch hinter diesen harmlos scheinenden Inhalten versteckt sich oft eine tiefere Intention: Gollan verbreitet in den Kommentarspalten ihrer Videos Hass gegen alle, die nicht in ihr Weltbild passen. Mit über 144.000 Abonnenten und mehr als 26 Millionen Aufrufen ihrer Videos hat sie es geschafft, eine breite Reichweite aufzubauen.
Verschleierung als Strategie
Extremismusforscher Jakob Guhl erklärt, dass Humor oft strategisch eingesetzt wird, um die Extremität bestimmter Positionen zu verschleiern. Ziel ist es, die gesellschaftlichen Grundannahmen zu verändern und rechtsextreme Ideen zu normalisieren. Das Y-Kollektiv zeigt, dass diese Influencerinnen oft Ängste und Sorgen ihrer Zuschauerinnen aufgreifen, um eine vermeintlich freundschaftliche Beziehung aufzubauen und sie in die eigene Ideologie einzubinden.
Die Rollen von Helferin und Mutter
In der rechtsextremen Szene werden Frauen oft als Helferinnen und Mütter gesehen, die die völkischen Ziele der Bewegung unterstützen. Diese Darstellung ist nicht neu und zeigt sich auch in der heutigen Zeit. AfD-Politikerinnen nutzen soziale Medien, um Botschaften zu verbreiten, die sich an traditionelle Rollenbilder anlehnen, etwa zum Muttertag mit dem Satz: „Neue Deutsche machen wir uns selbst.“
Professionalisierung der rechten Influencer-Szene
Die bereits erwähnte Influencer-Agentur zeigt, wie ernst es der rechten Szene ist, ihre Botschaften zu verbreiten. Geplant war eine Zusammenarbeit zwischen YouTubern und Unternehmen, um Werbung zu schalten und diese Influencer finanziell zu unterstützen. Diese Agentur hätte nicht nur Auftragsproduktionen, sondern auch Wahlkampagnen umfassen sollen. Auch wenn die konkreten Pläne vorerst aufgegeben wurden, zeigt sich, dass eine Professionalisierung in der Szene bereits stattgefunden hat.
Wahlentscheidungen beeinflussen
Besonders vor Wahlen nehmen die Influencerinnen eine entscheidende Rolle ein. Ihre Beziehungen zu den Zuschauern und die vermeintliche Vertrautheit ermöglichen es ihnen, die Wahlentscheidungen zu beeinflussen. Ihre Inhalte sind oft so gestaltet, dass sie einem Faktencheck nicht standhalten, erscheinen jedoch auf den ersten Blick harmlos und unterhaltsam.
Fazit: Ein aufmerksames Publikum ist gefragt
Die Rolle rechter Influencerinnen in sozialen Medien erfordert ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und kritischer Auseinandersetzung. Es ist wichtig, die Hintergründe und Absichten hinter scheinbar harmlosen Inhalten zu erkennen. Der demokratische Diskurs sollte gestärkt werden, um diesen subtilen, aber gefährlichen Botschaften entgegenzutreten. Nur so kann verhindert werden, dass radikale Ideologien in der Gesellschaft normalisiert werden.
