Jan Wenzel Schmidt – ein Name, der im Bundestag nicht jedem geläufig ist. Kein Wunder, denn der 32-jährige Abgeordnete der AfD aus Magdeburg fällt weder durch markige Reden noch durch auffälliges Äußeres auf. Doch hinter den Kulissen sorgt Schmidt für Aufsehen – nicht durch seine Politik, sondern durch die Personalentscheidungen in seinem Abgeordnetenbüro.
Schmidt, seit 2021 Mitglied des Bundestags, hat es geschafft, zwei äußerst umstrittene Figuren wieder in den Bundestag zu holen: Mario Müller, einen verurteilten Gewalttäter und ehemaligen Identitären, sowie Christian Lüth, der sich selbst als Faschist bezeichnete und vor einigen Jahren durch menschenverachtende Äußerungen Schlagzeilen machte. Beide arbeiten nun in Schmidts Büro – Müller im Homeoffice, Lüth als Berater für Finanzpolitik.
Der Fall wirft Fragen auf: Wie konnte es passieren, dass solche Personen im Bundestag tätig sind? Schmidt betont, dass jeder eine zweite Chance verdient habe. Man könnte fast glauben, er betreibe eine Art soziales Experiment – mit dem Bundestag als Labor.
Schmidts Affinität zur extremen Rechten ist kein Geheimnis. Er hat Verbindungen zur Identitären Bewegung (IB) und beschäftigt Mitarbeiter mit rechtsextremem Hintergrund. Diese Personalentscheidungen könnten mehr als nur ein „furchtbarer Ausrutscher“ sein, wie Lüth seinen Skandal damals nannte. Sie scheinen Teil einer Strategie zu sein, um Netzwerke innerhalb der extremen Rechten zu stärken und diese in die politische Mitte zu rücken.
Die AfD versucht sich gerne als Opfer der Medien darzustellen, die einen „herbeigeredeten Rechtsruck“ propagieren. Doch Schmidts Aktionen sprechen eine andere Sprache. Trotz eines Unvereinbarkeitsbeschlusses innerhalb der AfD, der Verbindungen zur IB untersagt, hält er Kontakte und verteidigt deren Daseinsberechtigung als „gewaltfreie Protestbewegung“. Das wirkt fast schon wie eine absurde Farce, wäre es nicht so erschreckend ernst.
Der Bundestag hat ein Sicherheitsproblem, wenn Personen wie Müller und Lüth Zugang zu sensiblen Informationen erhalten. Zwar dürfen sie den Bundestag nicht ohne Begleitung betreten, doch das ist kaum mehr als ein symbolischer Akt. Schmidt, der sich als unschuldiger Finanzpolitiker gibt, scheint solche Bedenken mit einem Schulterzucken abzutun.
Auch innerhalb der AfD gibt es Kritik an Schmidts Personalentscheidungen. Doch anstatt eine klare Linie zu ziehen, bleiben Reaktionen aus der Parteispitze verhalten. Das erinnert an einen alten Spruch: „Wer schweigt, stimmt zu.“ Die AfD scheint sich zunehmend damit abzufinden, dass radikale Positionen und Personen in ihren Reihen geduldet werden.
Schmidt selbst sieht sich als „Patriot wie alle in der AfD“. Er träumt von einer „Kulturnation Deutschland“ in einem „Europa der Vaterländer“. Mit solchen Aussagen positioniert er sich nahe am völkischen Flügel der Partei. Die Grenze zwischen konservativer Politik und rechtsextremen Ideologien verschwimmt dabei zunehmend – und genau das sollte alle Demokraten beunruhigen.
Letztlich bleibt die Frage: Wer holt diese Rechtsextremisten in den Bundestag? Die Antwort ist ebenso einfach wie schockierend: Es sind Abgeordnete wie Jan Wenzel Schmidt, die offenbar keine Hemmungen haben, Menschen mit extremen Ansichten und krimineller Vergangenheit wieder in den politischen Betrieb zu integrieren. Und das mitten im Herzen der deutschen Demokratie.
Man kann nur hoffen, dass die Bundestagsverwaltung und die Öffentlichkeit weiterhin genau hinschauen. Denn wer einmal die Tür für Extremisten öffnet, läuft Gefahr, dass diese sich dauerhaft einnisten. Schmidt mag in seiner Ecke des Plenums unauffällig erscheinen, doch die Folgen seiner Personalpolitik könnten weitreichend sein – für die AfD und für die Demokratie insgesamt.
