Solingen, eine Stadt im Bergischen Land, ist in tiefer Trauer und Schock. Was als Feier zum 650. Gründungstag der Stadt gedacht war, endete in einer tragischen Messerattacke mit drei Todesopfern und mehreren Schwerverletzten. Doch die Geschichte dahinter wirft viele Fragen auf – und sie beginnt weit vor dem Tag des Anschlags.
Ein Tatverdächtiger mit einer Vorgeschichte
Der mutmaßliche Täter, ein 26-jähriger Syrer, war den deutschen Behörden nicht unbekannt. Bereits 2022 reiste er über Bulgarien in die Europäische Union ein und stellte in Deutschland einen Asylantrag. Doch laut dem Dublin-Abkommen war Bulgarien für sein Asylverfahren zuständig. Die deutschen Behörden beantragten daher seine Rückführung – und Bulgarien stimmte zu. Doch statt in sein Einreiseland zurückzukehren, tauchte der Mann in Deutschland unter. Ein Fahndungsaufruf? Fehlanzeige, da er als unauffällig galt. Nachdem die Überstellfrist abgelaufen war, erhielt er subsidiären Schutz in Deutschland und wurde der Stadt Solingen zugeteilt.
Der schockierende Angriff
Am Freitagabend dann der Schock: Auf einem Jubiläumsfest in Solingen stach der Mann willkürlich auf Menschen ein. Zwei Männer und eine Frau starben, weitere acht Menschen wurden verletzt, vier davon schwer. Der Verdächtige floh zunächst, stellte sich jedoch 24 Stunden später der Polizei – in blutverschmierter Kleidung und mit dem Geständnis, für die Tat verantwortlich zu sein.
Terrormotiv? Die Ermittlungen laufen
Die Bundesanwaltschaft hat den Fall inzwischen übernommen und ermittelt wegen Mordes und des Verdachts der Mitgliedschaft in der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Die Tat soll laut einer IS-Mitteilung auf deren Propaganda-Kanal Amak aus „Rache für Muslime in Palästina und anderswo“ verübt worden sein. Doch Zweifel bleiben: Die IS-Erklärung enthält keine konkreten Täterdetails, und bisher gibt es kein Bekennervideo des Täters selbst.
Solingen in Trauer
Nach der schrecklichen Tat befindet sich Solingen in einem Zustand der tiefen Trauer. Am Morgen versammelten sich Hunderte Menschen zu einem Gedenkgottesdienst in der Nähe des Tatorts. Pfarrerin Friederike Höroldt brachte die Gefühle vieler Anwesenden auf den Punkt: „Wir spüren in diesen Tagen unsere Hilflosigkeit und unsere Ohnmacht. Aber wir suchen Gemeinschaft und Beistand.“
Fazit: Viele Fragen, wenig Antworten
Der Fall wirft viele Fragen auf, vor allem wie es möglich war, dass ein bereits zur Abschiebung bestimmter Mann untertauchen und schließlich eine solche Tat verüben konnte. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, doch die Narben, die dieses Ereignis in Solingen hinterlassen hat, werden noch lange spürbar sein. Solingen trauert, und die Aufarbeitung dieser Tragödie steht erst am Anfang.
