In Zwickau, der beschaulichen Stadt in Westsachsen, braut sich etwas zusammen, das viele als alarmierend empfinden werden. Junge Neonazis versuchen offenbar, mit gezielter Graswurzelarbeit die Region zu unterwandern und Gleichgesinnte aus dem ganzen Land anzulocken. Dass dieser Versuch nicht nur eine vorübergehende Erscheinung ist, sondern systematisch und organisiert vonstattengeht, zeigt eine investigative Recherche des NDR-Formats STRG_F.
Der „Teutonische Kreis“ und seine Akteure
Im Zentrum dieser Bestrebungen stehen Sanny Kujath und Wladislav Sirbu, zwei prominente Namen aus der rechtsextremen Szene. Sirbu war einst Anführer der mittlerweile verbotenen Neonazi-Vereinigung „Nordadler“. Nach den Recherchen von STRG_F haben sich diese beiden und weitere junge Neonazis im letzten Jahr in einer geschlossenen Telegram-Gruppe namens „Teutonischer Kreis“ zusammengefunden. Ziel dieser Gruppe: Zwickau als neues Zentrum für Rechtsextremismus zu etablieren.
Doch warum gerade Zwickau? Anscheinend soll die Region als Rückzugsort dienen, von dem aus die „politischen Feinde“, wie es in den Chats der Gruppe heißt, „nachhaltig aus ihren Positionen und Ämtern“ vertrieben werden sollen. Sirbu spricht sogar davon, eine „Weltanschauungselite“ aufzubauen, die in Zukunft die Gesellschaft von innen heraus verändern soll. Klingt fast wie ein dystopischer Roman – nur leider real.
Politische Ambitionen: Neonazis und die „Freien Sachsen“
Um ihre Ziele zu erreichen, versuchen die Zwickauer Neonazis, politischen Einfluss zu gewinnen. Die Kleinpartei „Freie Sachsen“, die vom Verfassungsschutz als „neonationalsozialistisch“ eingestuft wird, dient ihnen dabei als Plattform. Zwar konnten weder Sirbu noch Kujath bei den Kommunalwahlen im Juni einen Sitz im Stadtrat oder Kreistag erringen, doch das scheint sie kaum zu entmutigen. Kujath kandidiert sogar bei den bevorstehenden Landtagswahlen – allerdings auf einem wenig aussichtsreichen Listenplatz.
Kujath bestreitet im Interview mit STRG_F, ein neonazistisches Netzwerk aufzubauen. Laut ihm gibt es keine Verbindung zwischen der „Freien Sachsen“ und der ehemaligen „Nordadler“-Gruppe. Die Telegram-Gruppe „Teutonischer Kreis“ will er ebenfalls nicht kennen. Eine wenig überzeugende Verteidigung, wenn man bedenkt, dass er selbst in dieser Gruppe aktiv Nachrichten verfasste.
Die AfD-Verbindung: Ein zaghafter Schulterschluss?
Die Geschichte wird noch brisanter, wenn man die Verbindung zur AfD betrachtet. Ein mutmaßlicher Anhänger der Neonazi-Gruppierung, Julian Bader, sitzt inzwischen im Zwickauer Stadtrat – gewählt auf einem AfD-Ticket. Der Verfassungsschutz kennt Bader als früheres Mitglied von „Nordadler“. Pikant: Bader wurde 2020 bei einer Razzia Stahlhelme und NS-Literatur beschlagnahmt. Nun bestreitet er jede Verbindung zur Neonazi-Szene und erklärt, dass er „demokratisch“ arbeiten wolle. Seine Teilnahme an einem „Sommerwanderlager“ erklärt er lapidar mit einer Einladung zu einer harmlosen Wanderung. Wenn das mal kein Wandererlebnis mit Hintergrund war.
Die Zwickauer AfD gibt sich überrascht. Der Geschäftsführer der AfD-Fraktion teilt mit, dass eine Vernetzung „nach rechts außen nicht im Sinne der Fraktion“ sei. Man wusste angeblich nichts von Baders früheren Aktivitäten. Wer’s glaubt, wird selig.
Junge Neonazis mit gefährlichen Ambitionen
Einer der jüngsten Mitglieder dieser rechtsextremen Gruppierung sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Der 18-jährige Tristan K. wurde im November festgenommen. Er steht unter Verdacht, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben – neben weiteren Delikten wie Verstößen gegen das Waffengesetz und dem Verwenden von NS-Symbolik. Sein Anwalt bezeichnet die Terrorvorwürfe als übertrieben, doch die Fakten sprechen eine andere Sprache. Sirbu und Kujath werden in dem Verfahren als Zeugen geführt, was zeigt, wie verstrickt die Neonazi-Szene tatsächlich ist.
Fazit: Wachsam bleiben
Die Entwicklungen in Zwickau sind kein Einzelfall, sondern symptomatisch für einen verstärkten Versuch von Neonazis, politische und gesellschaftliche Strukturen zu unterwandern. Diese rechtsextremen Netzwerke, die im Geheimen agieren, zeigen, wie wichtig es ist, wachsam zu bleiben und rechtzeitig gegen solche Bestrebungen vorzugehen. Denn am Ende darf es nicht heißen: „Wir haben es nicht kommen sehen.“ Zwickau mag nur eine kleine Stadt sein, doch die Auswirkungen solcher Netzwerke können weit über die Stadtgrenzen hinausreichen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Pläne nicht in die Tat umgesetzt werden und die demokratischen Kräfte in der Region standhaft bleiben.
