Im Vorfeld der Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen zeigt sich das politische Klima hitziger denn je. Die AfD polarisiert – auf der einen Seite stehen ihre Anhänger, auf der anderen Seite ihre Gegner. Dazwischen: Eine Gesellschaft, die sich fragt, welche Richtung sie einschlagen soll.
Ein Marktplatz als politisches Schlachtfeld
Sömmerda, ein Ort nördlich von Erfurt. Hier, auf einem scheinbar ruhigen Marktplatz, treffen an einem Samstagnachmittag zwei Welten aufeinander. Eine junge Frau bietet einem vorbeigehenden Mann ein Heft mit Recherchen zu Rechtsextremismus an. „Ich bin ein Nazi“, entgegnet er unverhohlen. Die Antwort der Frau ist knapp: „Das ist scheiße.“ Ein Dialog, der die Spannungen im Wahlkampf treffend widerspiegelt.
Während die AfD in Thüringen und Sachsen mit großen Schritten auf die stärkste Kraft zusteuert, bläst ihr auch ein starker Gegenwind ins Gesicht. In Sömmerda bleiben die Proteste jedoch überschaubar: Etwa 50 Menschen demonstrieren gegen das „Sommerfest“ der AfD, während gut fünfmal so viele der Partei ihre Unterstützung zeigen.
Höcke und die neue Rechte
Björn Höcke, das Gesicht der AfD in Thüringen, präsentiert sich gewohnt kämpferisch. Mit hochgekrempelten Ärmeln und einem Headset ausgerüstet, spricht er zu seinen Anhängern. Er beschuldigt seine Gegner, Mitschuld an Gewaltverbrechen wie dem Messeranschlag von Solingen zu tragen, und sieht in den anderen Parteien nur ein „Kartell“, das es zu überwinden gilt.
Höcke ist bekannt dafür, provokante Thesen zu vertreten. Seine Agenda umfasst radikale Vorschläge wie die Einschränkung des Asylrechts, die Aussetzung der Genfer Flüchtlingskonvention und die Abschaffung von Inklusion in Schulen. Die Polarisierung, die er vorantreibt, spaltet nicht nur seine Gegner, sondern auch die Gesellschaft.
Ein Film über Höcke – Propaganda oder Dokumentation?
Einen besonderen Einblick in Höckes Welt bietet ein Film, der von extrem rechten Aktivisten produziert wurde. Dieser zeigt den Politiker, der den Ministerpräsidentenposten anstrebt, in verschiedenen Facetten. Interessant ist, dass Höcke selbst kaum zu Wort kommt – stattdessen sprechen Vertraute wie der Verleger Götz Kubitschek über ihn. Dabei wird klar: Höcke ist der Mann, der die AfD in Thüringen entscheidend geprägt hat, indem er die Partei stärker nach rechts rückte.
Warum dieser Film kurz vor den Wahlen veröffentlicht wurde, bleibt offen. Fakt ist jedoch, dass er dazu beiträgt, das Bild von Höcke als „auserwähltem Politiker“ in den Köpfen seiner Anhänger zu festigen. Gleichzeitig wird er von seinen Gegnern als Gefahr für die Demokratie wahrgenommen.
Gegenwind in Erfurt
Während Höcke in ländlichen Regionen Zuspruch erhält, regt sich in Städten wie Erfurt Widerstand. Hier haben Gewerkschaften, Umweltschutzgruppen und Demokratiebündnisse zu einer großen Demonstration „gegen rechts“ aufgerufen. Tausende Menschen ziehen durch die Straßen, ihre Parolen fordern ein AfD-Verbot und mahnen vor den Gefahren, die von einer starken AfD ausgehen könnten.
Jassin Baum, ein Aktivist von „Campact“, gibt sich kämpferisch: „Wir haben noch eine Woche Zeit!“ Sein Ziel ist es, der AfD entscheidende Prozentpunkte streitig zu machen. Denn die aktuelle Lage ist bedrohlich: Umfragen sehen die Partei stabil bei 30 Prozent. Sollte sie diese Marke überschreiten, könnte sie mit einer Sperrminorität im Landtag wichtige Entscheidungen blockieren.
Die Angst vor der Zukunft
Unter den Demonstranten ist auch Jens-Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. In einem Brief an 365.000 Thüringer Haushalte warnte er davor, dass Höcke die nationalsozialistische Sprache wieder salonfähig machen wolle. Seine Aktion wurde von „Campact“ finanziert, doch sie hat auch Folgen: Wagner wird seitdem bedroht.
Wagner ist überzeugt, dass ein Wahlerfolg der AfD katastrophale Folgen für Thüringen haben könnte. Insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund, Behinderungen oder abweichenden politischen Meinungen müssten sich dann fragen, ob sie in Thüringen noch sicher leben könnten.
Der Wahlkampf: Ein Ringen um die Demokratie
Die etablierten Parteien haben unterschiedliche Strategien im Umgang mit der AfD entwickelt. Während CDU-Spitzenkandidat Mario Voigt versucht, den Wahlkampf als Duell zwischen ihm und Höcke darzustellen, setzen SPD, Grüne und Linke auf Demonstrationen und Appelle an die Wähler. Sie rufen dazu auf, ihre Stimme strategisch zu nutzen, um die AfD zu schwächen.
Der Ausgang dieser Wahlen ist ungewiss. Doch eines steht fest: Die AfD hat es geschafft, den Wahlkampf in Thüringen und Sachsen zu dominieren. Die Demokratie steht auf dem Prüfstand, und die kommenden Tage werden zeigen, in welche Richtung sich die Wähler bewegen.
Der Wahlkampf in Thüringen und Sachsen dreht sich fast ausschließlich um die AfD. Es bleibt zu hoffen, dass die Bürger die Bedeutung ihrer Stimme erkennen und sich für die Demokratie entscheiden. Denn, wie Katja Maurer von der Linken sagt: „Je mehr Menschen demokratisch wählen, desto kleiner wird der Balken der AfD.“ In diesem Wahlkampf geht es nicht nur um politische Macht, sondern um die Zukunft der Demokratie in Deutschland.
