In der hitzigen Welt der Politik sind Geschichten aus der Vergangenheit oft wie Schatten, die auch dann noch ihre Kreise ziehen, wenn die Sonne längst woanders steht. Ein solches Beispiel bietet Thomas Schmid, der sich in Thüringen als Direktkandidat der Partei Bürger für Freiheit und Demokratie (BSW) zur Landtagswahl aufstellt. Recherchen von MDR, NDR und WDR haben eine brisante Verbindung zu Tage gefördert: Schmid sollte offenbar 2013 Pressesprecher der AfD in Thüringen werden und tauchte sogar in den Mitgliederlisten der Partei auf. Doch die Geschichte ist komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint.
Ein Kandidat und seine Vergangenheit
Schmid war 2013 in Gesprächen als Pressesprecher der AfD Thüringen. Laut den vorliegenden Protokollen und Mitteilungen der AfD Thüringen war Schmid, neben dem heute berüchtigten Björn Höcke, ein ernsthafter Kandidat für die Rolle des Pressesprechers. Es gibt Mitgliedslisten, in denen Schmid unter einer AfD-Mitgliedsnummer geführt wurde, und in denen sogar monatliche Beitragszahlungen vermerkt sind. Diese Details werfen natürlich Fragen auf, vor allem, wenn man bedenkt, dass sich die BSW-Spitzenkandidatin Katja Wolf ausdrücklich gegen die Aufnahme von Personen mit AfD-Vergangenheit ausgesprochen hatte.
„Ich war nie Mitglied“ – eine widersprüchliche Geschichte?
Thomas Schmid selbst bestreitet jedoch, jemals Mitglied der AfD gewesen zu sein. Er gibt zu, Interesse an der Rolle des Pressesprechers gehabt zu haben, betont jedoch, dass es nie zu einer offiziellen Mitgliedschaft kam. Vielmehr sei er von 2003 bis 2016 Mitglied der CDU Thüringen gewesen, was auch von der CDU bestätigt wird. Schmid vermutet, dass es sich um ein Missverständnis seitens der AfD handelte, weil er sich für die Position des Pressesprechers beworben hatte. Diese Theorie könnte durch den Umstand gestützt werden, dass in den frühen Tagen der AfD Mitgliedslisten angeblich handschriftlich geführt wurden – was, zugegebenermaßen, nicht gerade das Bild von Professionalität vermittelt.
Unterstützung von der BSW-Spitze
Trotz der aufgeworfenen Fragen stellt sich die Parteiführung der BSW in Thüringen hinter Schmid. Der Co-Vorsitzende Steffen Schütz erklärte, dass man keinen Zweifel an Schmids Aussagen habe. Schmid selbst hat eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, in der er versichert, zu keiner Zeit Mitglied der AfD gewesen zu sein. Die BSW-Spitze scheint also zuversichtlich, dass ihr Kandidat trotz der brisanten Enthüllungen keine Altlasten mit sich herumträgt.
Politik ist kein Ponyhof – oder doch?
Während die BSW-Spitzenkandidatin Katja Wolf klar macht, dass eine AfD-Vergangenheit ein Ausschlusskriterium darstellt, bleibt die Frage im Raum, wie man mit Kandidaten umgeht, die zwar mit der AfD geflirtet, aber letztlich die Beziehung nicht vollzogen haben. Ist es wirklich so einfach, eine Grenze zu ziehen, wenn die politischen Karrieren oft komplizierter und verschlungener sind als ein ordentlich geführtes Parteibuch?
Oskar Helmerich, ein ehemaliges AfD-Mitglied, bezweifelt, dass jemand über eineinhalb Jahre in Mitgliederlisten geführt werden kann, ohne davon etwas zu bemerken. Er verweist auf die Einladungen zu Versammlungen, die per Post verschickt wurden – ob Thomas Schmid wohl nie einen solchen Brief erhalten hat?
Fazit: Die Wahrheit liegt irgendwo da draußen
Die Geschichte von Thomas Schmid ist ein Lehrstück darüber, wie schwer es sein kann, in der Politik einen klaren Schnitt zu machen. Vergangenheit und Gegenwart vermischen sich, und was bleibt, sind Fragen, die sich nicht immer eindeutig beantworten lassen. Während Schmid nun versucht, im Erfurter Süden das Vertrauen der Wähler zu gewinnen, wird die Diskussion über seine mögliche Verbindung zur AfD sicherlich nicht so schnell verstummen. Aber eines ist klar: In der Politik geht es oft weniger darum, wer man war, sondern mehr darum, wer man vorgibt zu sein.
