Die Zahlen sind da und sie knallen – im wahrsten Sinne des Wortes. Obwohl die Zahl der gesprengten Geldautomaten 2023 leicht zurückgegangen ist, bleibt das Phänomen ein akutes Problem. Laut dem Bundeskriminalamt (BKA) wurden im vergangenen Jahr insgesamt 461 Geldautomaten in die Luft gejagt. Das sind zwar 7,1 Prozent weniger als im Vorjahr, aber noch lange kein Grund zum Jubeln. Schließlich haben die Täter auch 2023 wieder Millionen erbeutet und dabei nicht nur Automaten, sondern auch die Nerven von Bankern und Anwohnern zerstört.
Geldautomaten: Ein explosives Geschäft
Es ist keine neue Methode, doch sie bleibt effektiv: Der Einsatz von festen Explosivstoffen, wie es das BKA nennt, ist weiterhin die bevorzugte Wahl der Kriminellen. In 87 Prozent aller Fälle kamen diese „hochenergetischen“ Stoffe zum Einsatz, was dazu führte, dass nicht nur die Geldautomaten, sondern auch die umliegenden Gebäude erheblich beschädigt wurden. Und nein, die Täter kommen nicht nur, um ein kleines Feuerwerk zu veranstalten – sie haben es auf die dicken Bündel Bargeld abgesehen.
Beute bleibt auf hohem Niveau: Ein teures Katz-und-Maus-Spiel
Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen ist die Beute der Täter nach wie vor beachtlich. Mit 28,4 Millionen Euro ist die Gesamtsumme der erbeuteten Gelder im Vergleich zum Vorjahr zwar um 5,1 Prozent gesunken, aber von einem Rückgang auf ein „ungefährliches Niveau“ kann keine Rede sein. In 276 Fällen hatten die Täter Erfolg und konnten nach der Sprengung an Bargeld gelangen – eine Quote, die die Banken sicherlich wenig erfreut.
Täter kommen meist von weit her – aber nicht aus dem Urlaub
Interessant und beunruhigend zugleich: Die meisten dieser Sprengmeister reisen aus dem Ausland ein, insbesondere aus den Niederlanden. Laut BKA gehören viele von ihnen professionell organisierten Banden an, die genau wissen, wie man Geldautomaten effizient und mit maximalem Schaden „öffnet“. Im vergangenen Jahr konnte die Polizei immerhin mehr Verdächtige festnehmen. Die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen stieg um 57 Prozent auf 201 Personen, was zeigt, dass der Druck auf die Täter zunimmt – aber auch, dass das Problem noch lange nicht gelöst ist.
Politik und Polizei: Vom Handeln zum Knallen?
Angesichts der Bedrohung hat die Politik die Gangart verschärft. Freiheitsstrafen von mindestens zwei Jahren für das Sprengen von Geldautomaten sollen künftig dafür sorgen, dass die Täter nicht ungestraft davonkommen. Auch Änderungen am Sprengstoffgesetz sind in Arbeit, um den Kriminellen das Leben schwerer zu machen. Banken wurden aufgefordert, ihre Automaten besser zu sichern, etwa durch Systeme, die die Geldscheine bei einer Sprengung einfärben und damit wertlos machen.
Fazit: Sprengmeister gegen Sicherheitsfanatiker
Trotz eines leichten Rückgangs bleibt das Problem der Geldautomatensprengungen in Deutschland ernst. Die Zahlen zeigen, dass das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Kriminellen und Sicherheitsbehörden weitergeht. Die Banken rüsten auf, die Kriminellen improvisieren – und irgendwo dazwischen sitzt der Kunde, der einfach nur an sein Geld will, ohne dass es dabei knallt. Eines ist klar: Wer in der Nacht ein lautes Krachen hört, sollte besser hoffen, dass es nur ein Feuerwerk ist.
