Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich aufgrund einer Burnout-Diagnose in klinische Behandlung begeben. Dies teilte sein Anwalt der Nachrichtenagentur dpa mit. Bereits zuvor hatte Schröder seine Aussage vor dem Untersuchungsausschuss des Schweriner Landtags zum Bau der Ostseepipeline Nord Stream 2 aus gesundheitlichen Gründen abgesagt.
Laut einer Stellungnahme seines behandelnden Arztes leidet der 80-jährige SPD-Politiker an einem „typischen Burnout-Syndrom mit Zeichen einer tiefgreifenden Erschöpfung und stark ausgeprägtem Energiemangel“. Zudem habe Schröder mit „Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten sowie Schlafstörungen“ zu kämpfen. Der Arzt betonte, dass Schröder „weder aktuell noch in absehbarer Zeit“ den Belastungen einer längeren und insbesondere öffentlichen Befragung in einem Untersuchungsausschuss gewachsen sei.
Burnout bezeichnet einen Zustand der körperlichen, emotionalen und geistigen Erschöpfung, der durch chronischen Stress entsteht.
Der Untersuchungsausschuss in Mecklenburg-Vorpommern untersucht den Bau der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2, insbesondere den politischen und finanziellen Einfluss Russlands auf das Handeln der SPD-geführten Schweriner Landesregierungen. Dabei steht auch die Rolle Schröders im Fokus. Nord Stream 1 hatte er als Kanzler initiiert, den Bau der weiteren Pipeline dann 2006 als Verwaltungsratsvorsitzender der Nord Stream 2 AG, einer hundertprozentigen Tochter der russischen Gazprom, vorangetrieben.
Der rasche Wechsel Schröders von der Regierungsbank auf gut dotierte Aufsichtsratsposten russischer Firmen im Jahr 2005 hatte ihm heftige Kritik eingebracht. Als Russlands Präsident Wladimir Putin im Februar 2022 den Angriff auf die Ukraine befahl, zögerte Schröder lange, sich von ihm zu distanzieren, und unternahm sogar noch einige Wochen nach Kriegsausbruch eine erfolglose Friedensmission in Moskau. Diese Haltung führte zu weitgehender Isolation Schröders im politischen Deutschland. Der Bundestag strich ihm sein Altkanzlerbüro, ein SPD-Parteiausschlussverfahren scheiterte jedoch.
