Datum: 7. Februar 2025
Fast alle gesetzlich Versicherten in Deutschland verfügen nun über eine elektronische Patientenakte (ePA). Die Krankenkassen feiern diesen Erfolg, da sie ihre Frist einhalten konnten. Doch ist die „ePA für alle“ wirklich ein Fortschritt für die Patientenversorgung, oder birgt sie nicht auch Gefahren und Risiken? Eine kritische Auseinandersetzung.
Quantität vor Qualität?
Knapp 70 Millionen elektronische Patientenakten wurden angelegt, ein beeindruckende Zahl. Doch die Frage ist, ob die Quantität nicht auf Kosten der Qualität geht. Sind die Akten wirklich mit relevanten Informationen gefüllt, oder handelt es sich lediglich um leere Hüllen?Die AOK schätzt, dass der bundesweite Rollout im April beginnt. Doch ob bis dahin alle Sicherheitslücken geschlossen sein werden, ist fraglich. Gesundheitsminister Karl Lauterbach will den Rollout erst dann starten, doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass Versprechen in der Politik oft wenig wert sind.
Sicherheitslücken und Whitelists: Ein Albtraum für Datenschützer
Aktuell stehen alle Ärzte und Apotheker in den Modellregionen auf einer „Whitelist“ und können theoretisch auf die elektronischen Patientenakten aller gesetzlich Versicherten zugreifen. Ein Albtraum für Datenschützer! Zwar soll der Zugriff in Zukunft nur im jeweiligen Behandlungskontext möglich sein, doch das Vertrauen in die Datensicherheit ist bereits jetzt erschüttert.Wie sicher sind die Daten wirklich, wenn Ärzte und Apotheker auf eine unübersichtliche Anzahl von Patientenakten zugreifen können? Die Gefahr von Datenmissbrauch und unbefugtem Zugriff ist real.
Hürden für Patienten: GesundheitsID und Kartenlesegerät
Versicherte, die selbst auf ihre elektronische Patientenakte zugreifen wollen, müssen über die App, eine PIN für ihren elektronischen Personalausweis oder für ihre elektronische Gesundheitskarte sowie ein Kartenlesegerät verfügen. Anschließend müssen sie sich eine GesundheitsID erstellen. Bisher haben rund 2,2 Millionen Versicherte ihre individuellen GesundheitsIDs erstellt.Diese Hürden sind unnötig kompliziert und verhindern, dass die ePA von vielen Patienten genutzt wird. Die Technologie muss benutzerfreundlicher und zugänglicher sein, damit sie wirklich einen Mehrwert für die Patientenversorgung darstellt.
ePA-App unlimited? Ein TByte Daten in der Cloud
Ein Nutzer hat mithilfe eines Scripts insgesamt 1 TByte an Daten in seiner elektronischen Patientenakte gespeichert. Das brachte ihm eine Vielzahl von Briefen der Krankenkasse ein, die ihn aufforderte, weitere Uploads zu unterlassen.Dieser Vorfall zeigt, dass die ePA noch nicht ausgereift ist und dass es zu unerwarteten Problemen kommen kann. Die Infrastruktur muss robust und zuverlässig sein, damit die ePA wirklich funktioniert.
Fazit: Zweifel sind angebracht
Die elektronische Patientenakte birgt das Potenzial, die Patientenversorgung zu verbessern. Doch die Umsetzung ist mangelhaft und die Sicherheitsrisiken sind zu hoch. Es ist an der Zeit, die ePA kritisch zu hinterfragen und sicherzustellen, dass sie wirklich den Interessen der Patienten dient.
Disclaimer: Dieser Artikel ist ein Kommentar und spiegelt die Meinung des Autors wider. Er dient der sachlichen Information und soll zur kritischen Auseinandersetzung mit den Themen Datensicherheit, Datenschutz und Gesundheitspolitik anregen. Jegliche Form von Diskriminierung oder Verharmlosung von rechtsextremen Ideologien wird entschieden abgelehnt.
