Die AfD gibt sich gern als Partei, die „nur das ausspricht, was andere nicht zu sagen wagen“. Doch wenn es darauf ankommt, verleugnen ihre Spitzenpolitiker gerne die eigenen Inhalte. Sobald sie mit den extremen Positionen ihres Wahlprogramms konfrontiert werden, heißt es plötzlich: „Wo steht das?“
Dabei liefert das über 177 Seiten lange Wahlprogramm einen erschreckend klaren Fahrplan, der die Partei endgültig in den Bereich des Rechtsextremismus, Antidemokratismus und Verschwörungsglaubens führt. Doch was genau steht eigentlich drin – und warum leugnen Chrupalla & Co. immer wieder die eigenen Forderungen?
Verwirrt oder Kalkül? Wie die AfD sich selbst verleugnet
Tino Chrupalla demonstrierte es zuletzt auf peinliche Weise in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“. Konfrontiert mit Forderungen aus dem eigenen Programm, reagierte der AfD-Parteichef mit dem typischen Abwehrreflex:
🔹 Leugnen („Das stimmt nicht!“)
🔹 Kampfbegriffe nutzen („Medienlüge!“)
🔹 Verwirrung stiften („Wo steht das?“)
Doch all diese Behauptungen halten einer einfachen Überprüfung nicht stand. Die radikalen Forderungen stehen schwarz auf weiß im Programm – und es gibt gute Gründe, warum führende AfD-Politiker in Talkshows lieber Nebelkerzen werfen, anstatt sich offen zu den eigenen Plänen zu bekennen.
Soziale Diskriminierung: Bürgergeld für Ausländer drastisch einschränken
Eine der umstrittensten Forderungen:
„Die AfD will eine sozialversicherungspflichtige Erwerbstätigkeit ohne ‚aufstockende‘ Sozialleistungen von mindestens zehn Jahren in Deutschland zur Voraussetzung für den Bürgergeld-Bezug ausländischer Staatsangehöriger machen und ihren Bürgergeld-Bezug auf ein Jahr begrenzen.“
Was heißt das konkret?
🔴 Ausländer, die jahrelang in Deutschland gearbeitet haben, würden im Falle eines Jobverlusts nach kurzer Zeit ohne soziale Absicherung dastehen.
🔴 Das Bürgergeld (ehemals Hartz IV) soll für Nicht-Deutsche auf eine einjährige Bezugsdauer gedeckelt werden – egal, ob es Alternativen gibt.
🔴 Wer Pech hat, verliert nach Jobverlust nicht nur seine Existenz, sondern wird konsequent zur Auswanderung gedrängt.
Diese Forderung ist nicht nur wirtschaftlich unsinnig, sondern verstößt fundamental gegen die Grundwerte eines Sozialstaats. Das Prinzip, dass jeder Mensch in Deutschland eine soziale Absicherung verdient, unabhängig von seiner Herkunft, wird mit dieser Politik radikal ausgehöhlt.
Warum Chrupalla das leugnet? Weil es offener und kalter Sozialchauvinismus ist – und weil selbst in rechtsextremen Kreisen viele Bürgergeld-Empfänger auf AfD-Sympathien hoffen.
Zwangsbeschallung für Frauen: Abtreibungen mit Schuldgefühlen verhindern
Ein besonders perfider Punkt findet sich im Bereich Frauenrechte und Schwangerschaftsabbruch:
„Während der Schwangerschaftskonfliktberatung sollen den Müttern Ultraschallaufnahmen des Kindes gezeigt werden, damit sie sich über den Entwicklungsstand des Kindes im Klaren sind.“
Die AfD tischt hier die alte Lüge auf, Frauen würden sich „leichtfertig“ für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. Die Lösung? Hier ein Zwangsultraschall, dort ein Propaganda-Video – am besten unterlegt mit trauriger Musik.
❌ Der Embryo soll den Frauen als emotionale Waffe vorgeführt werden.
❌ Ein weiterer Versuch, das Recht auf körperliche Selbstbestimmung einzuschränken.
❌ Die AfD vertritt ein frauenfeindliches, autoritäres Gesellschaftsbild, in dem Frauen in erster Linie Mütter zu sein haben.
Wer genauer in das Parteiprogramm schaut, findet eine noch erschreckendere Linie: Die klassische Familienstruktur aus „Vater und Mutter“ soll staatlich bevorzugt werden, Alleinerziehende oder gleichgeschlechtliche Paare haben in der AfD-Ideologie wenig Platz.
Klimawandel? Leugnen, bis die Pegel steigen
Der Klimawandel wird im Programm der AfD zwar oberflächlich anerkannt, aber seine Ursachen und Folgen werden gnadenlos verdreht:
🔹 CO₂ sei angeblich gut für Pflanzenwachstum und somit eine Lösung für den Welthunger.
🔹 Der menschengemachte Klimawandel wird als „wissenschaftlich ungeklärt“ dargestellt.
🔹 Energiewende? Überflüssig! Die AfD setzt voll auf fossile Brennstoffe.
Diese Argumentation erinnert an billige Lobbyarbeit von Ölkonzernen der 1990er Jahre. Heute weiß jedes Schulkind, dass die Klimakrise real ist – nur die AfD bleibt noch in der Leugnungs-Phase stecken.
Zurück in die 1930er: Kontrolle der Währung durch Goldreserven
Grotesk mutet auch die wirtschaftspolitische Forderung nach der Wiedereinführung der Deutschen Mark an – samt Rückkehr zu einer goldgedeckten Währung.
„Bei einer Wiedereinführung der D-Mark könnte das teilweise im Ausland gelagerte Staatsgold als temporäre Deckungsoption dienen.“
Kurz gesagt:
🔴 Raus aus dem Euro, rein in nostalgische Fantasien einer isolierten Nationalwirtschaft.
🔴 Eine extreme Skepsis gegenüber dem Staat als Währungslenker – fast verschwörungstheoretisch.
🔴 Die Illusion, durch Goldbesitz eine angeblich „wertbeständige“ Währung zu schaffen.
Dass die AfD solche Ideen in ihr Parteiprogramm schreibt, ist nicht überraschend – Rechtsextreme haben seit jeher eine Affinität zu kruden Wirtschaftsmythen.
„Remigration“ – die sprachliche Verharmlosung der Vertreibung
Die wohl gefährlichste Passage des Wahlprogramms dreht sich um den rechtsextremen Kampfbegriff „Remigration“:
„Unser Maßnahmenkatalog zur Umkehr dieses migrationspolitischen Staatsversagens heißt Remigration.“
Damit greift die AfD endgültig eine Idee der Neuen Rechten auf, die Jahrzehnte lang in rechtsextremen Kreisen kursierte: Die groß angelegte Rückführung von Menschen mit Migrationshintergrund – egal, ob sie einen deutschen Pass haben oder nicht.
Nach der Enthüllung des rechtsextremen „Geheimtreffens“ in Potsdam durch Correctiv hatte die Partei das Wort „Remigration“ zunächst vermieden. Doch Alice Weidels Rede auf dem AfD-Parteitag machte klar:
Ja, genau das ist ihr Ziel. Wer es nicht glaubt, kann nachlesen.
Fazit: Gefährlicher als bloßer Populismus
Das Wahlprogramm der AfD ist kein belangloses populistisches Papier – es ist ein handfester Angriff auf Demokratie, sozialen Zusammenhalt und Grundrechte.
🔴 Sozialabbau für Nicht-Deutsche
🔴 Frauenrechte untergraben
🔴 Klimawandel leugnen
🔴 Deutschland aus der EU und dem Euro führen
🔴 „Remigration“ als gezielter Schritt zur ethnischen Säuberung
Dass AfD-Politiker*innen diese Inhalte in Talkshows leugnen oder sich dumm stellen, ist kein Versehen – es ist Strategie.
Denn wenn die Wähler*innen wüssten, was wirklich im Programm steht, würde vielleicht selbst der eine oder andere Protestwähler noch einmal nachdenken.
