Die selbsternannte „Lebensschutz“-Bewegung gibt sich gern als moralische Instanz – doch offenbar scheut sie Transparenz, wenn es um ihre politischen Einflussversuche geht. Recherchen von NDR und BR zeigen: Abtreibungsgegner haben offenbar systematisch versucht, am Lobbyregister vorbei Bundestagsabgeordnete zu beeinflussen.
Ein besonders auffälliges Beispiel: Der bayerische Verein „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA e.V.), der massiv gegen die geplante Reform des § 218 StGB lobbyiert.
📢 Doch anstatt sich rechtskonform ins Lobbyregister einzutragen, bleiben die Organisationen weiterhin intransparent.
📌 Geheime Einflussnahme auf Abgeordnete? Das Netzwerk der Abtreibungsgegner
💡 Hintergrund: Eine Gruppe von SPD- und Grünen-Abgeordneten hat 2024 eine Gesetzesinitiative eingebracht, die Schwangerschaftsabbrüche bis zur 12. Woche legalisieren soll.
🔴 Reaktion der Abtreibungsgegner:
🔹 Gezielte Briefe und Zeitschriften von ALfA an Bundestagsabgeordnete, um sie gegen die Reform zu mobilisieren.
🔹 Besondere Fokussierung auf FDP-Abgeordnete, um den Koalitionspartner zu spalten.
🔹 Organisierte Postkartenaktionen: Mitgliedern wurde aufgegeben, Politiker:innen anzuschreiben, um eine „lebensfeindliche Politik“ zu stoppen.
👉 Kurz gesagt: Hinter dieser abgestimmten Kampagne steckt kein spontaner Protest, sondern gezielte politische Einflussnahme.
🔎 Lobbyregister? Nein, danke – ein klarer Gesetzesverstoß?
Seit 2021 schreibt das Gesetz vor, dass regelmäßige Einflussnahme auf Abgeordnete in das Lobbyregister eingetragen werden muss – inklusive der Angabe von Spendenquellen und Kontakten zu Politiker:innen.
🚨 Doch ALfA weigert sich, sich zu registrieren.
💬 Aurel Eschmann von LobbyControl:
„Diese wiederholten, geplanten Aktionen zeigen klar, dass ALfA sich registrieren müsste – Transparenz sieht anders aus.“
📌 Das Problem:
🔹 Keinerlei öffentliche Auskunft darüber, wer die Lobbyarbeit finanziert.
🔹 Keine Dokumentation, welche Politiker:innen sich von Abtreibungsgegnern beeinflussen lassen.
🔹 Potenzielle Verstöße gegen das Lobbyregistergesetz – die mit bis zu 50.000 € Bußgeld geahndet werden könnten.
👉 Der Bundestag prüft aktuell, ob ALfA nachträglich verpflichtet werden kann.
🔴 Täuschung der Öffentlichkeit? Frauenärztin lobbyiert als „Privatperson“
Ein besonders perfides Beispiel für intransparente Lobbyarbeit:
🔹 Dr. Angela Köninger, Chefärztin für Frauenheilkunde, verfasste einen Brief an Abgeordnete – angeblich als Privatperson.
🔹 Ihr Brief wurde u. a. von CDU- und CSU-Abgeordneten genutzt, um angeblich „objektive medizinische Bedenken“ gegen Schwangerschaftsabbrüche vorzubringen.
🔹 Tatsache ist jedoch: Sie ist langjährige Unterstützerin der „Lebensschutz“-Bewegung und tritt regelmäßig bei ihren Veranstaltungen auf.
👉 Fazit: Ein vernetzter Versuch, wissenschaftliche Argumente mit religiöser Ideologie zu unterfüttern.
⚖️ Konsequenzen: Wird endlich durchgegriffen?
📊 Bereits mehrere Fälle von Verstößen gegen das Lobbyregister wurden untersucht.
🚨 20 Verfahren laufen aktuell gegen verschiedene Organisationen – einige davon aus dem „Lebensschutz“-Spektrum.
🚨 Drei Bußgeldbescheide wurden bereits erlassen.
🚨 Der Bundestag prüft weitere Schritte gegen ALfA und den „Bundesverband Lebensrecht“.
Doch die zentrale Frage bleibt:
💬 Warum konnten Abtreibungsgegner:innen so lange im Verborgenen arbeiten, während andere Akteure längst zur Transparenz gezwungen wurden?
🔎 Fazit: Intransparente Lobbyarbeit gefährdet demokratische Prozesse
📢 Legitime politische Arbeit braucht Transparenz.
✔ Wer Abgeordnete systematisch beeinflusst, muss das offenlegen.
✔ Wer für Gesetzesverschärfungen lobbyiert, sollte seine Geldquellen transparent machen.
✔ Und wer sich mit christlichem Moralismus über das Selbstbestimmungsrecht von Frauen erhebt, sollte sich zumindest an geltendes Recht halten.
👉 Ob der Bundestag ernsthaft Konsequenzen zieht – oder erneut wegschaut –, bleibt abzuwarten. Doch der Umgang mit dieser Form der verdeckten Einflussnahme wird zeigen, wie tief das Transparenzversprechen noch gilt.
