Alice Weidel bei „Farbe bekennen“: Erneut Falschaussagen zur Wirtschaft

Die AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel hat in der ARD-Sendung „Farbe bekennen“ zahlreiche Behauptungen zu Energiekosten und Atomkraft aufgestellt, die einem Faktencheck nicht standhalten. Einmal mehr zeigt sich: Die AfD setzt auf stark vereinfachende – und teilweise schlicht falsche – Parolen, um ihr Programm zur Senkung von Strompreisen zu bewerben. Doch was stimmt wirklich, und wo irrt Frau Weidel?


1. Mythos „Höchste Energiepreise weltweit“

Behauptung Weidel: Deutschland habe die weltweit höchsten Energiepreise.

Faktencheck:

  • Laut den Erhebungen von Global Petrol Prices (GPP) liegt Deutschland bei wichtigen Energieträgern keineswegs auf Platz 1.
  • Strompreise: Mit Stand Juni 2024 beispielsweise Platz 15 für Unternehmen und Platz 3 für Haushalte.
  • Gaspreise: Unternehmen auf Platz 13, Haushalte auf Platz 14.
  • Bei Benzin und Diesel rangiert Deutschland ebenfalls nicht an der Spitze, sondern eher im oberen Mittelfeld.

Ergebnis: Weidels Behauptung ist schlicht falsch. Deutschland hat zwar hohe Energiepreise im globalen Vergleich, jedoch nicht die höchsten weltweit.


2. Atomkraft als „günstiger“ Ausweg?

Behauptung Weidel: Die Strompreise würden sinken, wenn man in Deutschland wieder massiv auf Atomkraft setzt.

Faktencheck:

  • Fraunhofer-Institut (SWR): Ein Wiedereinstieg in die Kernenergie ist keineswegs eine Garantie für niedrigere Stromkosten. Im Gegenteil: Atomkraft ist teuer, sobald man den gesamten Lebenszyklus eines AKW (Bau, Betrieb, Rückbau, Endlagerung) mit einkalkuliert.
  • Joe Kaeser (Siemens Energy) betont, es gebe „kein einziges Atomkraftwerk auf der Welt, das sich ökonomisch rechnet“.
  • Hohe Sicherheitsanforderungen, fehlendes Personal und die Notwendigkeit staatlicher Garantien zeigen: Private Investoren meiden den AKW-Neubau zumeist, weil er einfach zu kostspielig und riskant ist.

Ergebnis: Atomkraft ist kein preisgünstiger, simpler Lösungsweg. Neue Kraftwerke würden enorm viel Zeit und Geld verschlingen, was Konsumenten kaum zur Entlastung gereichen dürfte.


3. „Irreversibler“ Rückbau alter Meiler

Behauptung Weidel: Die alten deutschen Reaktoren könnten einfach wieder hochgefahren werden.

Faktencheck:

  • Die letzten drei AKW gingen 2023 vom Netz. Ihr Rückbau ist bereits weit fortgeschritten.
  • Fachleute rechnen mit einem zeitlichen Vorlauf von mindestens 1–2, eher 5 Jahren, um überhaupt eine eventuelle Reaktivierung zu prüfen. Es fehlt an Personal, Brennstoff, Sicherheitsüberprüfungen und dem politischen Willen.
  • Betreiber wie EnBW halten einen Stopp des Rückbaus für „irreversibel“ und machen klar, dass sie keinerlei Interesse an einer Reaktivierung haben.

Ergebnis: Ein Hochfahren bereits stillgelegter AKW ist in Deutschland weder zeitnah noch wirtschaftlich sinnvoll. Viele Experten bezeichnen es als realitätsfernes Vorhaben.


4. Ist Atomkraft wirklich CO2-neutral?

Behauptung Weidel: Kernenergie sei CO2-neutral.

Faktencheck:

  • Bundesumweltministerium: Atomkraft ist weder emissionsfrei noch CO2-ärmste Energieform. Zwar entstehen im Reaktor selbst keine CO2-Emissionen, jedoch verursacht der gesamte Brennstoffzyklus (Uranabbau, Transport, Anreicherung, Endlagerung) beachtliche Mengen Treibhausgase.
  • Scientists for Future und Fraunhofer-Institut bestätigen, dass Kernenergie über den gesamten Lebenszyklus betrachtet eben nicht klimaneutral ist.
  • Vergleich: Laut Angaben von Fachleuten emittieren Atomkraftwerke pro Kilowattstunde Strom 68–180 g CO2 (je nach Studienlage, Uranförderung u. a.). Erneuerbare Energien wie Windkraft oder Photovoltaik liegen deutlich niedriger.

Ergebnis: Atomkraft ist keinesfalls die erhoffte CO2-freie Wunderwaffe. Erneuerbare Energien sind insgesamt deutlich klimafreundlicher.


Fazit: Weidels Behauptungen halten keiner Überprüfung stand

Die AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel positioniert sich gern als „Korrektiv“ zu etablierten Parteien, verheddert sich aber immer wieder in Falschinformationen – ob zur Höhe der Energiepreise oder zur Rentabilität der Atomenergie. Wer ernsthaft nach Lösungen für bezahlbaren Strom, Klimaschutz und eine verlässliche Energieversorgung sucht, darf sich nicht von simplen Parolen täuschen lassen.

Unser Standpunkt: Wir von Wasserpuncher.blog stellen uns klar gegen Faschismus, Rechtsextremismus und jede Form von pauschaler Ausgrenzung – und ja, wir lehnen auch Abschiebungen entschieden ab. Gleichzeitig setzen wir auf eine solide, faktenbasierte Diskussion rund um Energiewende und Klimaschutz. Politische Schaumschlägerei und billige Behauptungen helfen niemandem, außer vielleicht den Umfragewerten einzelner Parteien.

Merke: Wahrheiten über komplexe Themen lassen sich nicht durch ideologische Schlagworte ersetzen. Gerade angesichts der vielen Krisen und Herausforderungen unserer Zeit braucht es sachliche Politik statt rassistischer Vereinfachung oder Scheinlösungen.

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