Dutzende Waffen spurlos verschwunden – Sicherheitsmängel an der Polizeischule Sachsen-Anhalt

Aus der Vergleichswaffensammlung des Landeskriminalamts Sachsen-Anhalt sind mittlerweile mindestens 52 Waffen beziehungsweise gefährliche Gegenstände verschwunden. Darunter befinden sich drei Granatwerfer, acht scharfe Schusswaffen und zahlreiche Hieb- und Stichwaffen – ein Umstand, der den Landesrechnungshof in Alarmbereitschaft versetzt hat.

Sachverhalt und Ermittlungen

Der aktuelle Bericht des Landesrechnungshofs, der kürzlich in Magdeburg vorgestellt wurde, legt offen, dass ein erheblicher Teil der Waffensammlung – insgesamt etwa 5.000 Objekte, die sowohl für kriminaltechnische Untersuchungen als auch zu Ausbildungszwecken genutzt werden – unzureichend verwaltet wird. So gingen 40 Waffen, die zuvor an die Fachhochschule Polizei in Aschersleben verliehen worden waren, spurlos verloren, während weitere 12 Waffen direkt im LKA selbst abhanden gekommen sind.

Besonders kritisch wird dabei der Umgang mit Munition bewertet. Dem Bericht zufolge nahmen Mitarbeitende bei der Übernahme von Waffen Munition mit, ohne diese ordnungsgemäß zu erfassen. Bei der Inventur 2024 wurden rund 69.000 Schuss Munition festgestellt und anschließend vernichtet – ein klarer Beleg für unzureichende Kontrollmechanismen.

Darüber hinaus wurden insgesamt 413 Waffen unerlaubt an andere Behörden – teils über Landesgrenzen hinweg – verliehen, und weitere 203 Waffen dauerhaft übertragen. Der Landesrechnungshof wertet diese Maßnahmen als rechtswidrig, da die betroffenen Waffen eigentlich vernichtet werden sollten. „Niemand kann sagen, wohin die verschwunden sind“, so der Rechnungshof-Präsident Kay Barthel, der mit deutlicher Kritik an den organisatorischen Versäumnissen in der Verwaltung der Sammlung mahnt.

Organisatorische Versäumnisse

Der Bericht macht deutlich, dass es über einen Zeitraum von sechs Jahren keine einzige offizielle Geschäftsprüfung der Waffenverwaltung gab, obwohl eine regelmäßige Überprüfung mindestens alle zwei Jahre erforderlich gewesen wäre. Die Verwaltung der Sammlung wird derzeit von lediglich fünf qualifizierten Beamten übernommen – ein Personalstand, der angesichts der Dimension und Bedeutung der Sammlung höchst fraglich erscheint. Barthel warnte: „Ansonsten bauen wir die nächste Bugwelle auf“ – eine Aussage, die den dringenden Handlungsbedarf in der Sicherheitsverwaltung unterstreicht.

Fazit

Die aktuellen Vorfälle im Zusammenhang mit der Verwaltung der Vergleichswaffensammlung des LKA Sachsen-Anhalt zeigen, wie gravierend organisatorische Mängel in sensiblen Bereichen sein können. Eine lückenhafte Inventur und der nachlässige Umgang mit Verschlusssachen stellen ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar – nicht nur für die beteiligten Behörden, sondern auch im Hinblick auf das Vertrauen in staatliche Sicherheitsstrukturen. In einem demokratischen und rechtsstaatlichen System, das sich entschieden gegen extremistische Ideologien sowie ungerechtfertigte Abschiebungen positioniert, ist es unerlässlich, dass der Umgang mit staatlichen Ressourcen höchsten Ansprüchen genügt.

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