In der deutschen Medienlandschaft ist eine Entwicklung zu beobachten, die einem demokratischen Diskurs ebenso wenig zuträglich ist wie einem faktenbasierten Umgang mit Wissenschaft und gesellschaftlicher Vielfalt. Jüngstes Beispiel dieser Entwicklung: Die „Berliner Zeitung“ macht gemeinsame Sache mit dem österreichischen Plagiatsjäger Stefan Weber – und erhebt gezielt Vorwürfe gegen eine kaum bekannte Universitätspräsidentin. Der Fall verdeutlicht ein tieferliegendes Muster: Der Missbrauch wissenschaftlicher Vorwürfe zur politischen Stimmungsmache.
Eine journalistische Nebelkerze ohne Substanz
Die „Berliner Zeitung“ – einst renommiertes Organ ostdeutscher Öffentlichkeit, heute zunehmend Bühne für ressentimentgeladenen Populismus – scheint sich zunehmend als Sprachrohr milder bis offener Systemkritik zu verstehen. Dabei ist sie nicht neutraler Beobachter, sondern zunehmend aktiver Akteur. Aktuelles Beispiel: Gemeinsame Schlagzeilen mit Stefan Weber, der in jüngster Vergangenheit bereits durch seine Nähe zum rechtslastigen Portal „Nius“ aufgefallen ist.
Im Visier der Angriffe: Die Präsidentin einer privaten Wirtschaftshochschule in Köln. Die Vorwürfe? Angebliche Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten. Die Beweislage? Dünn bis spekulativ. Der Spin? Glasklar: Eine Frau, Soziologin, mit Engagement für Vielfalt („Diversity, Equity, Inclusion“) muss um jeden Preis diskreditiert werden. Ein Muster, das bereits bei Claudine Gay (Harvard) und Liz Magill (University of Pennsylvania) Anwendung fand – beide Schwarze Universitätspräsidentinnen, beide öffentlich diffamiert unter dem Vorwand angeblich mangelnder wissenschaftlicher Integrität.
Stimmung statt Aufklärung – eine pseudowissenschaftliche Farce
Besonders problematisch ist der Duktus, mit dem die „Berliner Zeitung“ operiert: Unter dem Deckmantel kritischen Journalismus wird ein kulturpessimistisches Narrativ bedient, das plurale Besetzungsprinzipien wie Gleichstellung, Diversität und Inklusion unterschwellig als Gefahr für Wissenschaftlichkeit zeichnet. Diese vermeintliche „Wissenschaftskritik“ entpuppt sich bei näherem Hinsehen als antiakademischer Affekt, gespeist aus Angst vor gesellschaftlichem Fortschritt.
Man insinuiert, eine Soziologin sei nicht befähigt, eine wirtschaftsnahe Hochschule zu leiten. Dass dieselbe Hochschule Studiengänge zu sozialen Themen, Pädagogik und Gesundheitswissenschaften anbietet – und dass die Präsidentin einstimmig durch den Hochschulsenat gewählt wurde –, wird entweder wissentlich verschwiegen oder durch suggestive Formulierungen entwertet. Hier findet kein Erkenntnisinteresse statt, sondern ein orchestrierter Versuch des Rufmords.
Akademische Integrität sieht anders aus
Ein seriöser Umgang mit Plagiatsvorwürfen setzt Objektivität, Zurückhaltung und Vorsicht voraus. Der Plagiatsjäger Weber jedoch nutzt seine Plattform längst für politische Interventionen – und findet willige Multiplikatoren in Medien, deren medienethische Standards zunehmend zur Fassade verkommen. Dass die Anschuldigungen durch die Betroffene bestritten wurden und keinerlei belastbares Ergebnis einer unabhängigen Überprüfung vorliegt, wird ebenso ignoriert wie ihre fachliche Qualifikation, Führungserfahrung und ihr Engagement in Landes- und Bundesgremien.
Was bleibt, ist ein medialer Vernichtungsversuch am öffentlichen Ansehen einer erfolgreichen Frau im Wissenschaftsbetrieb – flankiert von einem sexistischen Subtext und der unterkomplexen Überzeugung, Wissenschaft solle frei von gesellschaftspolitischem Engagement bleiben. Für ein Land, das seine Exzellenzstrategie ernst nimmt und migrationsbedingte Vielfalt nicht nur dulden, sondern fördern will, ist das eine bemerkenswerte Fehlentwicklung.
Antifaschismus heißt: Wissenschaft verteidigen, Vielfalt leben
In einem demokratischen Rechtsstaat ist es unerlässlich, dass Hochschulen nicht zum Spielball ideologischer Interessen verkommen. Die Instrumentalisierung von Plagiatsvorwürfen gegen unbequeme, engagierte oder schlicht nicht ins Weltbild passene Personen stellt eine reale Gefahr für Wissenschaft und gesellschaftlichen Zusammenhalt dar.
Wir stehen für eine Gesellschaft, in der Herkunft, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder politische Haltung nicht als Makel, sondern als Ausdruck pluralistischer Stärke gelten. Eine Gesellschaft, in der Integration nicht nur gefordert, sondern gestaltet wird – durch Zugang zur Bildung, durch Teilhabe, durch gezielte Förderung. Abschiebungen lösen keine Probleme – weder sozial, rechtlich noch wissenschaftlich. Was wir brauchen, ist ein sicherer und gerechter Raum für alle Menschen, die dieses Land mit aufbauen und gestalten wollen – und eine demokratische Öffentlichkeit, die Missbrauch erkennt, verhindert und benennt.
Fazit:
Die „Berliner Zeitung“ hat sich offenkundig von journalistischem Anspruch verabschiedet und verschanzt sich hinter einem reaktionären Narrativ, das jegliche gesellschaftliche Differenz als Bedrohung inszeniert. Der Fall der Kölner Hochschulpräsidentin ist keine Aufklärung, sondern ein Lehrstück in manipulativer Medienhandlung – versehen mit altbekannten Mustern rassistischer, sexistischer und antiintellektueller Denkweisen. Dieser Entwicklung muss mit Seriosität, Fakten und demokratischem Selbstvertrauen begegnet werden. Und genau das tun wir hier.
Schlagwörter:
Plagiat, Berliner Zeitung, Stefan Weber, Hochschulpolitik, Antifaschismus, Medienkritik, Diskriminierung, Wissenschaftsfreiheit, Presseethik, Diversität, Migration, Abschiebung, Integration, Demokratie, AfD, Rechtspopulismus
