Masken-Monument der Selbstüberschätzung

Executive Summary – das ganze Elend in drei Zahlen

  • 11,628 Mrd. € binnen sechs Wochen kontrahiert – größtenteils ohne Mengen­steuerung
  • 5,7 Mrd. Masken bestellt, aber < 30 % jemals sinnvoll verteilt
  • 2,29 Mrd. € offenes Prozessrisiko + bis zu 1,37 Mrd. € Verzugs­zinsen aus dem Open-House-Experiment

Wer noch glaubt, hektischer Aktivismus sei ein Ersatz für sauberes Vergabe­management, möge diesen Bericht lesen – und anschließend das deutsche Vergabe­recht von vorn.

1 | Chronologie eines Kontroll­verlusts

DatumEreignisFolge
07./08.03.2020Minister entscheidet, entgegen Krisen­stabs­logik eigen­händig PSA zu beschaffenKompetenz­gerangel & Doppel­strukturen
22.03.2020Mail an Kanzlei MWP: Idee „Open-House“Kontrahierungs­zwang ohne Mengen­limit
27.03.2020EU-Bekannt­machung geht online (mit Laufzeitfehler)Angebots­flut; GZD arbeitet 7 Tage/Woche
03./08.04.2020Angebots­frist hektisch verkürztMWP warnt vor „de-facto-Vergaben“
Mai – Juli 2020Verträge über 11,628 Mrd. € fix20-facher Über­bedarf, Logistik­kollaps bei Fiege

2 | Die Beschaffungs­kanäle im Detail

2.1 Direktvergaben – teuer, schnell, dünne Akten

EMIX, Lomotex, Prime Fashion: Verträge über 2,07 Mrd. € wurden schriftlich „nach­dokumentiert“, nachdem die Ware längst unterwegs war – auf Zuruf, ohne Leistungs­beschreibung .

2.2 Fiege – Logistiker wird zum Schatten­beschaffer

  • 0,052 Mrd. € für Lager & Verteilung – Vertrag: wenige Seiten, kaum Pflichten
  • Zusätzlich bis 1,439 Mrd. € „Logistik­-Sourcing“ direkt in China – bis heute nicht lücken­los aufgeklärt

2.3 Open-House-Verfahren – Lehrbuch des Kontroll­verlusts

Statt Abruf­vertrag wurde ein absolutes Fix­geschäft konstruiert: Jedes Unternehmen durfte liefern, der Bund musste abnehmen . Ergebnis:

  • Vertrags­volumen 6,43 Mrd. €, aber nur 1,44 Mrd. € ausgezahlt (Liefer­ausfälle)
  • Klage­welle: 2,3 Mrd. € Forderungen, Zinsuhr tickt seit 2020

2.4 Tender „Produktion in Deutschland“ – Lichtblick mit Schönheitsfehler

  • 1,237 Mrd. € Rahmen­volumen, Stück­preise netto 0,91 € (FFP2) / 0,14 € (OP) – günstigster Kanal
  • Liefer­quoten: 40 % FFP2, 60 % OP – beste Performance aller Verfahren
  • Finanzierung aus zweck­fremden Haushalts­titeln – kreativ, nicht korrekt

3 | Lager, Vernichtung, Annexkosten

  • 1,265 Mrd. Masken lagern Stand Nov 2024; davon 789 Mio. unbrauchbar
  • 1,2 Mrd. Masken bereits 2023 vernichtet; weitere 1,7 Mrd. zur Entsorgung vorgesehen
  • Externe „Betriebs­führerschaft“ (EY ➜ Deloitte) kostet bis dato ≈ 119 Mio. €; Gesamt­berater­kosten ≈ 150 Mio. €

4 | Rechtliche Spätfolgen

  • AGB-Fehler aus MWP-Muster­vertrag führen zu Serien­pleiten vor OLG Köln – Haftungs­frage weiter offen
  • Chinese Arbitration: ungewisse Erfolgsaussichten, Sudhof empfiehlt Fokussierung auf eine (!) Kanzlei nach RVG-Sätzen
  • Prozess­risiko summiert sich auf > 3,6 Mrd. € (Forderungen + Zinsen + Kosten) – Schatten­haushalt der Zukunft

5 | Sudhofs Handlungs­plan – und warum er Sinn ergibt

  1. Externe Werkbank einziehen: Betriebs­führerschaft binnen 12 Monaten zurück ins BMG holen
  2. Prozessführung bündeln: Eine Haupt­kanzlei, RVG-Tarif, klare Claim-Strategie
  3. Lager abbauen statt verwalten: Verteilung oder Verwertung priorisieren, Lager­mieten stoppen

6 | Politische Einordnung – Integration statt Sündenböcke

Die 11,6 Mrd. € Masken­fiasko entsprechen ca. zehn Jahres­budgets des Bundes­amtes für Migration. Jeder Euro, der nun in Gerichts­kosten und Müll­verbrennung fließt, fehlt bei Sprach­kursen, Sozial­arbeit und Quartiers­entwicklung. Abschiebungs-Parolen ändern daran – Sie ahnen es – exakt nichts. Eine Verwaltung, die schon an Masken scheitert, sollte nicht glauben, Menschen ließen sich einfach „weg­organisieren“.


7 | Lessons Learned – wie es künftig besser läuft

  • Rolle-klar: Fachressorts beschaffen, Politik setzt nur Ziele.
  • Bedarf > Budget > Beschaffung: Reihenfolge einhalten, sonst brennt der Haushalt.
  • Transparenz first: Offene Datenbanken zu Verträgen, Lieferungen, Lager­ständen.
  • Resilienz durch Diversität: In Lieferketten – und in der Gesellschaft. Migration schafft Talente, nicht Risiken.

Fazit – Hybris hat einen Preis

Der Sudhof-Bericht ist ein Monument ministerieller Selbst­überschätzung. Er zeigt, wie schnell Milliarden verdampfen, wenn Show-Politik Fach­kompetenz ersetzt. Wer aus diesem Fiasko lernen will, investiert künftig in klare Governance, robuste Beschaffung und eine offene Gesellschaft. Alles andere ist – Verzeihung – Maskerade.

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