Kurze Durchsage: Telekom baut Skynet im Englischen Garten (oder so ähnlich)

Die Deutsche Telekom hat mal wieder was gemacht. Nein, nicht die Grundgebühr erhöht (glaube ich), sondern eine „KI-Fabrik“ in München eröffnet.

Klingt erstmal nach Marketing-Bingo für Fortgeschrittene, aber schauen wir uns die Fakten an. Es geht um eine Milliarde Euro. Dafür bekommt man heutzutage ja gerade mal einen halben Bahnhof, aber die Telekom hat das Geld in Hardware gesteckt.

Genauer gesagt: In 10.000 Nvidia-Grafikprozessoren.

Die stehen jetzt in einem unterirdischen Bunker im Münchener Tucherpark (Ex-Rechenzentrum der Hypovereinsbank). Mehrere Ebenen tief, direkt neben dem Englischen Garten. Wenn die KI also demnächst das Bewusstsein erlangt, kann sie in der Mittagspause den Surfern auf der Eisbachwelle zuschauen. Apropos Eisbach: Das Wasser von da wird zur Kühlung genutzt. Wenn das Wasser also demnächst 30 Grad hat: Gern geschehen, liebe Surfer.

Worum geht es wirklich?

Die Telekom will Cloud spielen, aber in „Sicher“. Das nennt sich dann Datensouveränität. Das Verkaufsargument ist simpel: Wenn ihr eure Daten zu AWS oder Google schiebt, greift der US Cloud Act und die NSA liest mit. Wenn ihr die Daten in den Bunker der Telekom legt, gilt deutsches Recht. Gut, die Hardware kommt trotzdem von Nvidia (USA) und SAP macht die Software, aber physisch liegen die Bits und Bytes in Bayern. Das ist für deutsche Konzerne wie BMW oder Siemens tatsächlich relevant, weil Latenz (Datenlaufzeit) bei Robotik halt wehtut, wenn sie zu hoch ist.

Die Ironie daran: Unter den ersten Kunden ist Quantum Systems. Die bauen Militärdrohnen. Wir fassen zusammen: Wir haben einen unterirdischen Bunker, Hochleistungs-KI, riesige Abwärme und militärische Drohnenhersteller als Kunden. Ich habe genug Sci-Fi-Filme gesehen, um zu wissen, wie das endet. Hoffentlich hat jemand den Stecker in Griffweite.

Der Technik-Check

  • 10.000 GPUs: Das ist ordentlich. Zum Vergleich: Der Supercomputer „Jupiter“ in Jülich hat 24.000. Die Telekom spielt also nicht in der Champions League, aber zumindest in der Bundesliga oben mit.
  • Latenz: Der Standort mitten in der Stadt (Tucherpark) statt auf der grünen Wiese in Brandenburg ist strategisch schlau. Physikalische Nähe schlägt Glasfaser-Länge.
  • Kühlung & Heizung: Die Abwärme soll ins Fernwärmenetz. Endlich heizen wir unsere Wohnungen mit Chatbot-Halluzinationen und Drohnen-Berechnungen. Hat fast was Poetisches.

Fazit

Die Telekom versucht hier, gegen die US-Hyperscaler (Amazon, Microsoft, Google) anzustinken, indem sie auf die Nische „Wir sind vor Ort und der Datenschutzbeauftragte bekommt keinen Herzinfarkt“ setzt. Das könnte sogar funktionieren.

Ob wir uns jetzt sicherer fühlen sollen, weil die KI-Revolution „Made in Germany“ ist und aus einem Bankenkeller kommt? Entscheidet selbst.

Ich gehe jetzt erstmal prüfen, ob mein Toaster schon mit dem Eisbach vernetzt ist.

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