[Fnord] 7 Millionen Euro im Lokus versenkt: Das blutige Preisschild von „Boah, Bahn“

Kurze Durchsage zur Lage der Nation: Wer dachte, die Realitätssatire bei der Deutschen Bahn hätte mit umgekehrten Wagenreihungen und ausfallenden Klimaanlagen ihren Zenit erreicht, der darf sich jetzt mal ganz fest anschnallen. Es ist der 10. Februar 2026, und wir blicken in einen Abgrund aus Missmanagement, Zynismus und purer Verachtung für Steuerzahler und Personal.

Es geht um die Kampagne „Boah, Bahn“. Ihr erinnert euch? Anke Engelke als Zugchefin Tina? Diese „humorvollen“ Webvideos, die uns erklären sollten, dass wir die Bahn bitte lieb haben sollen, auch wenn alles kaputt ist?

Jetzt kommt raus: Der Spaß hat über SIEBEN MILLIONEN EURO gekostet.

Aber es wird noch viel, viel schlimmer.

Staatsgeheimnis: Werbekosten!

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Das Bundesverkehrsministerium hat sich geweigert, diese Zahlen öffentlich zu machen. Wo findet man die Kosten für ein paar YouTube-Videos und einen Song?

In der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages.

Kein Witz. Die Kosten für eine Werbekampagne wurden behandelt wie die Startcodes für Atomraketen oder die Alien-Akten in Area 51. Die Begründung der Bahn? „Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse“. Leute, wir reden hier von einem Staatskonzern! Das ist unser Geld. Dass man die Summe verstecken wollte, zeigt eigentlich nur eins: Sie wussten genau, dass uns das Messer in der Tasche aufgeht, wenn das rauskommt.

„Liebeserklärung“ vs. Bodybags

Warum kocht die Stimmung gerade jetzt so hoch? Weil der Kontext nicht einfach nur „Geldverschwendung“ ist. Der Kontext ist tödlicher Ernst.

Während die Bahn Millionen für eine Schauspielerin und Hochglanz-Produktionen rausbläst, um Sympathie zu heucheln, bluten die echten Mitarbeiter im echten Leben.

  • Fakt: Ein Zugbegleiter wurde im Regionalverkehr von einem Schwarzfahrer getötet.
  • Fakt: Übergriffe auf das Personal explodieren seit Jahren.
  • Die Reaktion der Bahn im Oktober 2025: Wir drehen lustige Videos! Michael Peterson (Fernverkehrs-Chef) nannte das eine „humorvolle Liebeserklärung an die Mitarbeitenden“.

Eine Liebeserklärung? Ernsthaft? Wie wäre es mit einer Lebensversicherung statt einer Liebeserklärung?

Sebastian Fiedler (SPD, Innenpolitiker) hat mal den Taschenrechner rausgeholt – was bei Politikern ja schon eine Nachricht wert ist: Für die 7 Millionen Euro hätte man 100 zusätzliche Sicherheitskräfte für ein ganzes Jahr bezahlen können. Einhundert!

Prioritäten aus der Hölle

Die EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft) schäumt, und zwar zurecht. Der Vorsitzende Martin Burkert fragt völlig korrekt, ob man für die Kohle nicht vielleicht:

  1. Alle Pausenräume hätte sanieren können?
  2. Endlich flächendeckend Bodycams hätte anschaffen können?

Stattdessen gab es Cringe-Content im Internet. Das ist so, als würde dir das Haus abbrennen und die Feuerwehr kommt vorbei, um dir ein Ständchen zu singen, statt zu löschen.

Der Stecker ist gezogen (zu spät)

Immerhin: Die neue Bahn-Chefin Evelyn Palla scheint zumindest einen Restfunken Instinkt für „Room Reading“ zu besitzen. Auf Anfrage heißt es jetzt: „Eine Fortsetzung der Kampagne passt nicht in die Zeit.“ Ach was? Die Serie ist tot. Keine weiteren Folgen von „Boah, Bahn“.

Aber das Geld ist weg. Verbrannt. 7.000.000+ Euro. Und die „Süddeutsche Zeitung“ sowie die „Bild am Sonntag“ bestätigen die Zahlen, die man so gerne verheimlicht hätte.

Das Fazit: Die Bahn wollte mit Anke Engelke Frustration abbauen und Verständnis wecken. Erreicht haben sie das Gegenteil: Sie haben gezeigt, dass im Elfenbeinturm des Bahn-Towers niemand mehr weiß, was an der Basis (und auf dem Bahnsteig) los ist. Wenn eure Mitarbeiter Angst haben müssen, den Dienst anzutreten, dann bucht man keine Comedians. Dann bucht man Security.

Tja.


Was lernen wir daraus?

Nichts. Nächste Woche wird wahrscheinlich bekannt, dass die Bahn 10 Millionen in eine KI-gestützte App investiert hat, die Verspätungen in Haikus umdichtet, während die Weichenheizungen immer noch mit Teelichtern betrieben werden.

Du willst helfen? Schau nicht weg, wenn Bahnpersonal angepöbelt wird. Die haben keine 7-Millionen-Euro-PR-Abteilung im Rücken, sondern oft nur ihre Uniform und eine Menge Mut.

Filed under: #BahnBashing #Steuerverschwendung #Fail #Skandal #Sicherheit #BoahBahn #Geheimschutzstelle

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