Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Wir schreiben das Jahr 2026. Die Wirtschaft ächzt, die Infrastruktur bröckelt schneller als ein Keks im Kaffee, und die Politik schwadroniert in einer Endlosschleife darüber, dass wir „mehr arbeiten“ müssen für den Wohlstand. Mehr Überstunden, später in Rente, weniger Mimimi.
Aber habt ihr euch mal angeschaut, wer da eigentlich die Peitsche schwingt?
Wer über Wohlstand redet, darf über die Management-Inkompetenz in diesem Land nicht schweigen. Wir haben kein Arbeiter-Problem. Wir haben ein Führungsproblem. Ein massives, systemisches Versagen derer, die oben sitzen und glauben, „Führung“ sei etwas, das man zwischen zwei PowerPoint-Folien und einem überteuerten Catering-Lunch erledigt.
Die Zahlen der Schande: 113 Milliarden Euro für die Tonne
Fakten gefällig? Während das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) – die Haus- und Hof-Statistiker der Arbeitgeberverbände – natürlich alles rosarot malt („Die Leute sind doch zufrieden!“), spricht die Realität eine andere Sprache.
Die Gallup-Zahlen sind eine schallende Ohrfeige für jeden, der eine Visitenkarte mit „Head of“ oder „Manager“ spazieren trägt:
- Nur 16% der Beschäftigten sind mit ihren Vorgesetzten vollkommen zufrieden.
- 78% machen Dienst nach Vorschrift.
- Der volkswirtschaftliche Schaden durch „innere Kündigung“? 113 Milliarden Euro.
Das sind mehr als 2% des Bruttoinlandsprodukts, die wir einfach verbrennen. Warum? Weil in deutschen Büros ein Geist herrscht, der Stromberg wie einen Visionär aussehen lässt. Wir reden hier nicht von Satire. Wir reden von der Realität.
Das Problem: Fachexperten ohne Menschenkenntnis
Der Managementberater Kishor Sridhar bringt es auf den Punkt: Die meisten Chefs sind Fachexperten, aber keine Führungsexperten.
Das ist das klassische deutsche Karrieremodell: Wer am besten Excel-Tabellen schubsen kann oder die komplizierteste Maschine repariert, wird zur Belohnung Chef. Das ist so, als würde man den besten Chirurgen zum Krankenhausdirektor machen, nur um dann festzustellen, dass er zwar operieren kann, aber die Verwaltung hasst und seine Mitarbeiter wie lästige OP-Bestecke behandelt.
Diese Leute haben Angst vor Entwicklungsgesprächen. Sie verstecken sich hinter Prozessen, Kennzahlen und „flachen Hierarchien“ (was meistens nur bedeutet, dass keiner mehr weiß, wer verantwortlich ist, wenn es brennt).
Die Mär von der „Haltung“ der Belegschaft
Und dann kommt die Wissenschaft um die Ecke. Professorin Christina Hoon aus Bielefeld meint, auch die Beschäftigten seien in der Pflicht. „Führung ist eine Haltung“.
Bullshit-Alarm!
Natürlich ist Eigenverantwortung super. Aber Wertschätzung ist keine Einbahnstraße. Wer seine Leute wie austauschbare Ressourcen behandelt (daher ja auch der widerwärtige Begriff „Human Resources“), darf sich nicht wundern, wenn die Ressource um 17:00 Uhr den Stift fallen lässt und sich mental in den Feierabend verabschiedet.
Gute Führung schafft Vertrauen. Aber Vertrauen wächst nicht auf dem Boden von Angst, Kontrolle und Inkompetenz. Wenn der Chef sich wichtiger nimmt als das Ergebnis, wenn Ego vor Empathie geht, dann ist die „kreative und effiziente“ Arbeit, von der Hoon träumt, reine Utopie.
Fazit: Wer Wohlstand will, muss die Chefetage ausmisten
Wir brauchen keine Debatte über die 42-Stunden-Woche. Wir brauchen eine Debatte über die Qualität der Arbeitszeit.
113 Milliarden Euro Verlust sind der Preis für schlechte Chefs, die ihre Mitarbeiter demotivieren, Talente ersticken und Innovationen durch Bürokratie-Wahn verhindern. Wenn Deutschland 2026 wieder wettbewerbsfähig werden will, müssen wir aufhören, Strombergs in Führungspositionen zu hieven.
Wohlstand entsteht durch Produktivität. Und Produktivität entsteht durch Leute, die Bock haben. Den Bock verliert man aber spätestens dann, wenn der Vorgesetzte Führung für eine lästige Nebenaufgabe hält.
Es reicht nicht, mehr zu arbeiten. Wir müssen aufhören, uns von Amateuren führen zu lassen.
