Der diesjährige Nobelpreis für Medizin wurde an zwei herausragende Wissenschaftler verliehen, die maßgeblich zur Entwicklung der mRNA-Impfstoffe beigetragen haben, die im Kampf gegen die COVID-19-Pandemie eine entscheidende Rolle spielen. Die Preisträger sind Katalin Karikó aus Ungarn und Drew Weissman aus den USA. Ihre wegweisende Arbeit in der mRNA-Forschung ermöglichte die bahnbrechende Geschwindigkeit bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus.
Katalin Karikó, 1955 in Szolnok, Ungarn, geboren, studierte Biologie an der Universität Szeged und promovierte dort im Jahr 1982. Im Jahr 1989 wurde sie Assistenzprofessorin an der University of Pennsylvania und blieb dort bis 2013. Während ihrer Zeit an der Universität traf sie auf Uğur Şahin, den Mitbegründer von Biontech, der ihr eine Stelle in seinem Unternehmen anbot. Diese Gelegenheit nahm sie an und leitete ein Forschungsteam bei Biontech. Nach jahrelanger Zusammenarbeit verließ sie das Unternehmen, ist aber nach wie vor als Beraterin tätig. Im Jahr 2021 kehrte sie zu ihrer früheren Wirkungsstätte zurück und wurde Professorin an der Universität Szeged sowie außerordentliche Professorin an der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania.
Drew Weissman, geboren 1959 in Lexington, Massachusetts, studierte Biochemie an der Brandeis University und absolvierte seine klinische Ausbildung am Beth Israel Deaconess Medical Center an der Harvard Medical School. Im Jahr 1997 gründete er seine eigene Forschungsgruppe an der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania.
Die Forschung von Karikó und Weissman konzentrierte sich auf die Modifikation von RNA, um sicherzustellen, dass das körpereigene Immunsystem sie nicht angreift. Diese bahnbrechende Arbeit legte den Grundstein für die Entwicklung von mRNA-Impfstoffen. Mit dieser Technologie wird nicht der Erreger selbst injiziert, sondern lediglich der Bauplan für bestimmte Virusbestandteile, wie das charakteristische Spike-Protein von Sars-CoV-2. Dies führt dazu, dass der Körper Abwehrmechanismen gegen das Spike-Protein entwickelt und somit besser vor COVID-19 geschützt ist.
Obwohl die Idee, mRNA zur Impfung zu verwenden, bereits mehr als 30 Jahre alt ist, dauerte es einige Zeit, bis sie in die Praxis umgesetzt werden konnte. Karikó und Weissman überwanden Herausforderungen wie unerwünschte Entzündungsreaktionen und ineffiziente Proteinproduktion in den Zellen. Schließlich gelang es ihnen, die mRNA so zu modifizieren, dass sie erfolgreich therapeutisch eingesetzt werden konnte. Ihre bahnbrechende Studie aus dem Jahr 2005 beschrieb im Detail, wie die mRNA für therapeutische Zwecke modifiziert werden kann und legte damit den Grundstein für die Entwicklung von mRNA-Impfstoffen.
Bei der Bekanntgabe des Nobelpreises ging das Komitee auch auf Bedenken ein, dass die Entwicklung der COVID-Impfstoffe zu schnell erfolgt sein könnte und Sicherheitsprüfungen vernachlässigt wurden. Die Immunologin Gunilla Karlsson Hedestam betonte jedoch, dass die Technologie ausführlich untersucht wurde, und es keine Kompromisse bei den Sicherheitsmaßnahmen gab. Wichtige klinische Tests wurden nicht übergangen, sondern parallel durchgeführt.
Der Nobelpreis für Medizin markiert traditionell den Beginn der jährlichen Nobelpreisverleihungen. In den kommenden Tagen werden die Preisträger in den Kategorien Physik, Chemie, Literatur, Frieden und Wirtschaftswissenschaften bekannt gegeben. Die Nobelpreise werden am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, feierlich verliehen und sind in diesem Jahr mit einem Preisgeld von 11 Millionen schwedischen Kronen dotiert, eine Million Kronen mehr als in den Vorjahren.
Die Auszeichnungen würdigen jene, die im vergangenen Jahr den größten Nutzen für die Menschheit in ihren jeweiligen Kategorien gebracht haben. Die Zeitvorgabe in Alfred Nobels Testament wird dabei oft großzügig interpretiert.
