Twitch verschärft Kleiderordnung: Selbst die Andeutung von Nacktheit unerwünscht

Die Livestreaming-Plattform Twitch hat kürzlich ihre Richtlinien zur Kleiderordnung erneut verschärft, wodurch sie noch stärker in die Privatsphäre der Streamerinnen eingreift. Diese neuen Vorschriften gehen über die gesetzlichen Regelungen zum Jugendschutz hinaus und verlangen von den Streamerinnen, dass sie klar und eindeutig zeigen, dass sie angemessen bekleidet sind.

Schon zuvor war es Streamerinnen untersagt, Genitalien und weiblich gelesene Nippel nackt vor der Kamera zu zeigen. Die aktualisierten Regeln gehen nun sogar so weit, dass die bloße Andeutung, unbekleidet zu sein, untersagt ist. Twitch formuliert dies in seinen neuen Richtlinien auf Englisch: „Wir erlauben es nicht, dass Streamerinnen implizieren oder suggerieren, dass sie vollständig oder teilweise nackt sind, unter anderem, indem sie Brüste oder Genitalien mit Objekten oder schwarzen Balken verdecken.“

Die Ausrichtung der neuen Regeln ändert das Prinzip der bisherigen Vorschriften. Anstelle eines Verbots von Nacktheit wird eine Art Nachweispflicht für Bekleidung eingeführt. Streamer*innen müssen nun deutlich sichtbar zeigen, dass sie ordnungsgemäß bekleidet sind, wobei die Kleidung nicht zu eng anliegen darf. Twitch geht sogar so weit zu betonen: „Wir erlauben keine sichtbaren Umrisse von Genitalien, auch wenn sie bedeckt sind.“ Verstöße gegen diese Regeln können zur Sperrung führen.

Diese schärferen Richtlinien sind die neueste Entwicklung in einem andauernden Konflikt zwischen Twitch und einigen Streamerinnen, die erotische Inhalte zeigen. Erfolgreiche Streamerinnen erreichen ein Millionenpublikum, doch Twitch beharrt auf seinem Hausrecht und zieht immer wieder neue rote Linien in den Nutzungsbedingungen, was von der Community kreativ umgangen wird. Beispielsweise sind Hot-Tub-Streams zu einem beliebten Genre geworden, bei dem Streamer*innen in einem Planschbecken im Studio sitzen und Bikinis tragen, um den Vorschriften zu entsprechen.

Die explizite Erwähnung von „schwarzen Balken“ in den neuen Richtlinien dürfte dabei kein Zufall sein. Streamer*innen hatten zuvor Brüste mit schwarzen Balken verdeckt, um den Eindruck zu erwecken, sie seien nackt. Als Reaktion darauf wurde nun das Verbot erlassen, nicht einmal den Gedanken an Nacktheit im Publikum aufkommen zu lassen.

Die Diskussion um Tabuzonen bei weiblich gelesenen Brüsten ist ebenfalls nicht neu. Twitch hat klare Vorgaben, welche Teile der weiblich gelesenen Brust sichtbar sein dürfen. Diese Regelungen werden von Streamer*innen oft auf kreative Weise umgangen, um den Unsinn der Vorschriften zu betonen.

Die strengeren Vorschriften bei Twitch sind Teil eines größeren Trends, bei dem große Plattformen zunehmend striktere Regeln bezüglich Nacktheit und Sexualität einführen. Dieser Trend hat sowohl wirtschaftliche als auch ideologische Gründe. Werbekunden, die Nacktheit und Sexualität in öffentlichen Medien ablehnen, üben Druck auf werbefinanzierte Plattformen aus. Gleichzeitig spielen ideologische Ansichten, insbesondere in den USA, eine wichtige Rolle bei der Festlegung solcher Tabus.

Experten warnen vor dieser Entwicklung und betonen, dass Ressourcen besser in sexuelle Bildung investiert werden sollten, anstatt Sexualität und Nacktheit mit immer mehr Tabus zu belegen. Der Fall Twitch ist nur ein Beispiel für diese grundsätzliche Entwicklung im Netz.

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