Die Süddeutsche Zeitung (SZ) nimmt Stellung zu aktuellen Berichten anderer Medien, die behaupten, die SZ suche intern nach einem „Maulwurf“. Medien wie Bild, die Berliner Zeitung, Focus und Spiegel haben über angebliche Durchsuchungen von Mail-Postfächern und Telefonanschlüssen der Redakteurinnen und Redakteure berichtet. Die SZ möchte an dieser Stelle ihre Sicht der Dinge darlegen.
In den letzten Wochen wurde in mehreren Medien darüber berichtet, dass die SZ einen „Maulwurf“ suche, der interne Informationen nach außen getragen haben soll. Es wurde behauptet, dass Mail-Postfächer und Telefonanschlüsse der Redaktion durchsucht wurden, was von einigen SZ-Redakteurinnen und -Redakteuren kritisiert wurde.
Die Redaktion der SZ möchte ihre Leserinnen und Leser darüber informieren, wie die Situation aus ihrer Sicht aussieht. In regelmäßigen Konferenzen, die ähnlich wie bei anderen Tageszeitungen abgehalten werden, diskutieren die Redakteurinnen und Redakteure verschiedene Themen, Geschichten, Personalia und politische Einschätzungen. Diese Konferenzen dienen dem Austausch von internen Informationen und unterliegen dem Redaktionsgeheimnis.
In einer Redaktionskonferenz am 20. Dezember 2023 diskutierte die SZ über ihre journalistischen Standards, nachdem einer Kollegin in einem Branchendienst vorgeworfen wurde, nicht korrekt mit Quellen umgegangen zu sein. Diese Konferenz wurde später ausführlich in besagtem Branchendienst wiedergegeben, was den Verdacht einer Verletzung des Redaktionsgeheimnisses aufkommen ließ.
Das Redaktionsgeheimnis schützt Redaktionen vor externem Zugriff. Daher wurde entschieden, den Vorfall zu untersuchen, um festzustellen, wie Informationen aus der Konferenz nach außen gelangen konnten. Obwohl eine Strafanzeige vermieden wurde, betonen Chefredaktion, Betriebsrat und Redaktionsausschuss, dass die Aufzeichnung und Weitergabe einer gesamten Redaktionskonferenz nicht hinnehmbar ist.
Die Überprüfung des Datenverkehrs erfolgte gemäß einer Betriebsvereinbarung aus dem Jahr 2002, die für solche Fälle vorgesehen ist. Diese ergab jedoch keine Ergebnisse. Die gesamte Redaktion wurde in einer Redaktionsvollversammlung über den Vorfall informiert, wobei falsche Informationen von einigen Medien verbreitet wurden. Es wurde klargestellt, dass keine Durchsuchungen von E-Mail-Postfächern oder Abhören von Telefonaten stattgefunden haben.
Die SZ betont, dass das Redaktionsgeheimnis essentiell für ihre Arbeit ist. Redaktionsausschuss, Betriebsrat und Chefredaktion stehen gemeinsam für die Wahrung dieses Geheimnisses ein und werden weiterhin den investigativen Journalismus betreiben, für den die SZ bekannt ist, und die Verteidigung des Qualitätsjournalismus fördern.
