Die deutsche Bürokratie gilt als komplex und oft schwerfällig. Trotz mehrerer Versprechen der Regierung, die Verwaltungsvorgänge zu vereinfachen, bleibt die Frage, ob künstliche Intelligenz (KI) die Lösung bieten kann. Das Bundesfinanzministerium plant nun, KI einzusetzen, um die Bürokratie zu entwirren.
In einer Ausschreibung fordert das Ministerium Forschende dazu auf, zu prüfen, ob KI in der Lage wäre, die deutsche Bürokratie in all ihren Ebenen zu vereinfachen. Die Ausschreibung mit dem Titel „Machbarkeitsstudie zu einer KI-gestützten Anwendung zur Identifikation des Vereinfachungspotenzials von Regelungen“ soll zunächst feststellen, was überhaupt möglich ist.
Die Frage nach der Machbarkeit wirft jedoch auch ein Schlaglicht auf die Sprache der Ausschreibung selbst. Der Titel zeigt, dass bereits in der Formulierung von Anforderungen ein Potenzial zur Vereinfachung liegt. Die 16 PDFs mit Bedingungen und Bewertungskriterien, die das Ministerium bereitstellt, verdeutlichen, dass allein das Ausschreibungsverfahren komplex ist.
Die Herausforderung für die Forschenden ist beträchtlich. Sie sollen prüfen, ob eine KI in der Lage ist, „welche Regelungen für bestimmte Unternehmen, Wirtschaftszweige oder die Regelungsadressaten gelten“ zu erfassen. Dies würde die Kartografierung der gesamten Bürokratie von der EU-Ebene bis zu spezifischen Branchenregelungen erfordern. Viele relevante Dokumente sind möglicherweise nicht frei zugänglich oder digital verfügbar.
Das Ministerium plant für die gesamte Machbarkeitsstudie lediglich sechs Monate ein. Die Frist setzt die Forschenden unter Druck, da sie nicht nur die KI einsetzen müssen, sondern auch eine juristische Bewertung und Verbesserungsvorschläge durch die Maschine erstellen sollen. Es bleibt abzuwarten, ob die KI den komplexen Herausforderungen der deutschen Bürokratie gewachsen ist.
