Youtube’s Eingeschränkter Modus blockiert queere Inhalte und politischen Journalismus in Schulen und Bibliotheken

Der „Eingeschränkte Modus“ von Youtube wurde entwickelt, um Inhalte zu filtern, die potenziell nicht jugendfrei sind. Allerdings greift dieser Modus auch auf seriöse Videos über Sexualität, Geschlechtsidentität und politischen Journalismus zu. Jüngsten Berichten zufolge wurden sogar Uploads des bekannten Youtubers Julian Bam betroffen.

Julian Bam, ein bekannter Content Creator, bemerkte vor einigen Wochen, dass einige seiner Zuschauer*innen bestimmte Videos nicht sehen konnten. Nachdem er Nachfragen erhielt, stellte er fest, dass einige seiner Videos im eingeschränkten Modus auf Youtube nicht mehr sichtbar waren, wie er in einem seiner Videos berichtete.

Der eingeschränkte Modus, der seit 2010 verfügbar ist, soll unter anderem den Übergang von Youtube Kids zu Youtube erleichtern. Laut Youtube werden Videos mit Inhalten, die potenziell nur für Erwachsene geeignet sind, im eingeschränkten Modus ausgeblendet.

Dieser Filter kann in den Einstellungen aktiviert und deaktiviert werden. Wenn er über die Familien-Version aktiviert wird, können Kinder ihn nicht selbst deaktivieren. In öffentlichen WLANs wie Schulen, Bibliotheken oder Jugendherbergen kann der Netzwerkadministrator den Filter aktivieren, ohne dass die Nutzer*innen darüber informiert werden, ob der Modus aktiviert ist.

Julian Bam produziert Videos für eine vorwiegend junge, jugendliche Community und gehört zu den bekanntesten Content Creators in Deutschland. Die Einstufung seiner Videos als „potenziell nicht jugendfrei“ ist unangebracht, da seine Inhalte in erster Linie Unterhaltung bieten und nicht jugendgefährdend sind.

Der eingeschränkte Modus sperrt nicht nur bestimmte Videos, sondern auch die Kommentarfunktion für betroffene Nutzer*innen. Er erkennt potenziell nicht jugendfreie Inhalte anhand verschiedener Kriterien wie Titel, Videobeschreibung und Metadaten.

Beispiele von Overblocking sind nicht schwer zu finden. Der eingeschränkte Modus filtert Videos heraus, die zur Aufklärung beitragen sollen, darunter auch LGBTQ+-Inhalte. Schminkvideos für trans Personen oder Videos, die beim Coming-out helfen sollen, sind ebenfalls betroffen. Sogar politischer Journalismus wird blockiert, wie im Fall des Youtube-Kanals des SPIEGEL, der über russische Propaganda aufklären soll.

Queere Organisationen und Bloggerinnen kritisieren den eingeschränkten Modus bereits seit Jahren. Obwohl YouTube den Filter angepasst hat, gibt es weiterhin Probleme. YouTuberinnen haben zwar die Möglichkeit, Einspruch einzulegen, doch viele wissen nicht einmal, dass dieser Filter existiert.

Youtube selbst gibt zu, dass der eingeschränkte Modus fehlerhaft sein kann und arbeitet kontinuierlich an Verbesserungen. Es ist jedoch fraglich, ob ein automatisiertes System wie dieses zuverlässig zwischen jugendgefährdenden Inhalten und seriösen Inhalten unterscheiden kann.

Es ist wichtig zu betonen, dass Jugendliche Zugang zu seriösen Informationen über sensible Themen wie Sexualität und Geschlechtsidentität haben sollten. Die aktuellen Probleme mit dem eingeschränkten Modus zeigen, dass weitere Anstrengungen erforderlich sind, um sicherzustellen, dass diese Informationen zugänglich bleiben.

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