Spionagefall in Österreich: Marsaleks Helfer in Deutschland?

In einem bemerkenswerten Fall von Spionageverdacht gerät ein ehemaliger österreichischer Geheimdienstmitarbeiter ins Visier. Egisto O., ehemals beim Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) beschäftigt, soll Informationen an Russland weitergegeben haben. Die Initiative dazu soll laut Ermittlungen von Jan Marsalek, dem flüchtigen ehemaligen Manager von Wirecard, ausgegangen sein. Neue Hinweise deuten darauf hin, dass Marsalek in Deutschland Unterstützer hatte, um Informationen über O. zu beschaffen.

Die aktuellen Erkenntnisse, die von WDR, „Süddeutscher Zeitung“ und „Profil“ zusammengetragen wurden, zeigen, dass Marsalek möglicherweise Kuriere mit Bargeld von Berlin nach Wien geschickt hat. Ihr Ziel war es, einen Laptop mit sensiblen Informationen abzuholen und diese nach Russland zu bringen.

Egisto O. steht bereits seit einigen Jahren unter dem Verdacht, Informationen aus Behördenbanken an Russland weitergegeben zu haben. Er soll Daten über Politiker, Wirtschaftsvertreter und Sicherheitsbeamte beschafft haben, darunter auch Personen von besonderem Interesse für Moskau. Diese neuen Erkenntnisse basieren größtenteils auf Telegram-Chatnachrichten, die britische Behörden nach Österreich übermittelt haben.

Der jüngste Vorwurf gegen O. betrifft die Weitergabe von drei Mobiltelefonen hochrangiger Beamter des österreichischen Innenministeriums an den russischen Geheimdienst im Juni 2022. Diese Handys waren bei einem Kanu-Ausflug im Sommer 2017 in einen Fluss gefallen und sollen zur Datensicherung beim BVT aufbewahrt worden sein. O. hatte offenbar Zugang zu diesen Geräten, die in der Wohnung seines ehemaligen Schwiegersohns in Wien gelagert wurden.

Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass der Transport der Handys und eines speziell verschlüsselten Laptops namens SINA im Auftrag Marsaleks organisiert wurde. Dieser Laptop wird von deutschen Sicherheitsbehörden wie dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) oder dem Bundeskriminalamt (BKA) genutzt und ist für die Speicherung und Übertragung von Daten mit dem höchsten Einstufungsgrad „Streng Geheim“ zugelassen.

Die Vermutung der Ermittler ist, dass der Laptop geheime behördliche Daten eines EU-Staates enthalten habe, die für den russischen Nachrichtendienst von Interesse gewesen seien. Es ist unklar, aus welchem Land der Laptop stammt, der im November 2022 in Wien übergeben wurde. Die Untersuchungen zu diesem Fall sind noch im Gange, während Egisto O. beteuert, unschuldig zu sein und sich als Opfer einer Intrige innerhalb der österreichischen Sicherheitsbehörden sieht.

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