Neue Rechte für EU-Verbraucher: Reparieren statt wegwerfen

Ein Gerät geht nach genau zwei Jahren kaputt und es ist günstiger, ein neues zu kaufen, als es reparieren zu lassen? Das soll durch ein neues EU-Gesetz künftig anders werden.

Das Recht auf Reparatur soll helfen, die Kreislaufwirtschaft in der EU anzukurbeln und die Müllberge zu reduzieren. Nach Berechnungen der EU-Kommission fallen jedes Jahr rund 35 Millionen Tonnen Abfall an, weil Produkte zu früh weggeschmissen werden, statt repariert zu werden. Der jährliche Schaden für Verbraucherinnen und Verbraucher dadurch: schätzungsweise 12 Milliarden Euro.

„Wir machen Reparatur während der gesetzlichen Gewährleistungsfrist attraktiver, indem wir die gesetzliche Gewährleistungsfrist pauschal um ein Jahr verlängern“, erklärt der SPD-Europaabgeordnete René Repasi. Auch nach Ablauf der Gewährleistung sollen Verbraucher eine einfache und kostengünstige Reparatur vornehmen können. Zusätzlich wird ein Anspruch gegenüber den Herstellern eingeführt, dass sie ein Produkt auch nach Ablauf der Gewährleistungsfrist reparieren müssen.

Um die Reparatur weiter zu fördern, werden verschiedene Anreize geschaffen. Verkäufer und Händler sollen während der Reparatur ein Ersatzgerät verleihen oder ein überholtes Exemplar anbieten. Zudem darf eine neue Reparatur für bereits reparierte Produkte nicht mehr verweigert werden.

Die neuen Regeln betreffen schwere Haushaltsgeräte wie Kühlschränke und Geschirrspüler, aber auch Smartphones, Tablets oder Fahrräder. Verbraucher, die ihre Geräte reparieren lassen wollen, sollen das in Zukunft auch leichter bei unabhängigen Werkstätten tun können. Die Hersteller müssen Ersatzteile und Anleitungen für die erwartete Lebensdauer des Produkts bereithalten. Eine europäische Reparaturplattform soll Verbrauchern den schnellsten Weg zu Reparaturwerkstätten aufzeigen.

Zudem werden Hersteller verpflichtet, Produkte so zu entwickeln, dass sie reparaturfreundlich sind. Hindernisse bei Soft- oder Hardware, die Reparaturen erschweren, sollen vermieden werden.

„Unsere Handys, Laptops und Waschmaschinen können wir in Zukunft einfacher, schneller und kostengünstiger reparieren“, lobt die Grünen-Europaabgeordnete Anna Cavazzini die neuen Regeln. „Wir haben der Kreislaufwirtschaft den Teppich ausgerollt, wir verändern unser Wirtschaften, wir machen Nachhaltigkeit zum lohnenden Geschäftsmodell.“

Nach der Verabschiedung haben die EU-Staaten zwei Jahre Zeit, um das Recht auf Reparatur in ihre nationalen Gesetze zu übertragen.

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