Die Stimme wirkt noch immer vertraut. Es ist, wie mit einem alten Bekannten zu sprechen, so oft hat man Christian Drosten schon gehört. Und doch ist etwas anders. Drosten, der Virologe, war während der Coronapandemie allgegenwärtig. Man hörte ihn beim Autofahren im Radio, beim Joggen im Podcast. Man sah ihn im Fernsehen. Immer schien er in sich zu ruhen. Lockdowns, neue Virusvarianten, nichts konnte ihn aus der Fassung bringen. Aber in der vergangenen Woche am Telefon wirkt er ungewohnt aufgebracht.
„Ich werde das nicht wieder machen“, sagt Drosten gleich zu Beginn des Gesprächs. „Ich werde nicht noch mal die Polizei holen, auch wenn meine Kinder bedroht werden. Weil das, was daraus resultiert, für mich nicht akzeptabel ist.“
Es ist ein Gespräch über einen Gerichtsprozess am Amtsgericht von Waren an der Müritz. Drei Personen waren angeklagt, zwei Frauen und ein Mann, weil sie Drosten im Sommer 2022 auf einem Campingplatz beschimpft hatten, als der mit seiner Familie dort übernachtete. Zwei von ihnen wurden in der vergangenen Woche wegen Verleumdung verurteilt. Drosten sagte als Zeuge aus. Und der Virologe ist noch immer verstört darüber, was ihm dabei widerfuhr.
Alles begann mit einem Wochenendausflug im Juni 2022. Christian Drosten fuhr mit seiner Familie auf einen Campingplatz am Ellbogensee, eine gute Autostunde nördlich von Berlin. Von Samstag auf Sonntag wollte die Familie dort zelten. Zu dieser Zeit gab es kaum noch Coronaregeln. Drosten hatte seinen Podcast schon Monate zuvor beendet. Endlich wieder ein sorgloser Sommer.
