Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke hat mit einer überraschenden Aussage eine Austrittswelle in seiner Partei ausgelöst. Vor dem Landgericht Halle gab er an, Adolf Hitlers Buch „Mein Kampf“ nie gelesen zu haben. Diese Enthüllung stieß vielen AfD-Mitgliedern sauer auf und führte zu zahlreichen Austritten.
Einer der Enttäuschten ist Kurt Drygala aus Gotha. „Wie kann man sich nur so in einem Menschen täuschen“, erklärt er resigniert. „Ich dachte, der hat ‚Mein Kampf‘ zu Hause auf dem Nachttisch liegen so wie ich. Aber noch nie gelesen? Sorry, so eine linke Zecke wähle ich nicht. Das war’s mit mir und der AfD.“
Höckes Aussage hat seinem Ruf als Faschist mit Ambitionen, einen Führerstaat zu etablieren, schweren Schaden zugefügt.
„Ich war schon empört, als er vor Gericht abstritt, ‚Alles für Deutschland‘ als SA-Parole gekannt und absichtlich genutzt zu haben“, so Sylvia Deegers, ein weiteres langjähriges AfD-Mitglied aus Dresden. „Aber das jetzt hat das Fass zum Überlaufen gebracht! Ich verlasse die AfD und geh zum III. Weg oder den Freien Sachsen. Das sind wenigstens richtige Nazis!“
Die Parteispitze ist alles andere erfreut über Höckes Verhalten. Sie fordert von ihm, entweder die Behauptung zurückzunehmen, nie „Mein Kampf“ gelesen zu haben, oder dies auf der Stelle nachzuholen und zum Beweis entsprechende Passagen aus dem Buch bewusst in Reden einzubauen.
