Der Wirecard-Skandal ist ein Fass ohne Boden, das immer neue Fragen aufwirft. Vor allem Jan Marsalek, ehemaliger Vorstand des in Ungnade gefallenen Unternehmens, sorgt weiterhin für Schlagzeilen. Nun stellt sich heraus: Ein Auftragnehmer der Bundeswehr hat Verbindungen zu seinem Netzwerk. Während Österreich Konsequenzen zieht, bleibt Deutschland gelassen – zum Ärger einiger Politiker.
Wenn das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags ein Statement abgibt, sollte man genau hinhören. Vor allem, wenn es um Spionage und Sicherheit geht. Mitte März äußerten sich die Abgeordneten besorgt über den Wirecard-Skandal und seine Verbindungen zu russischen Geheimdiensten. Besonders brisant: Jan Marsalek, ehemaliger Vorstand von Wirecard, steht im Zentrum des Geschehens.
Neue Erkenntnisse zeigen, dass Marsalek nicht nur in Russland, sondern auch in Österreich ein Netzwerk unterhielt. Ein Ex-Verfassungsschützer half ihm dabei, sensible Daten österreichischer Beamter an den russischen Geheimdienst FSB weiterzuleiten. Doch während Österreich reagierte und Aufträge an Firmen aus Marsaleks Umfeld stoppte, bleibt Deutschland gelassen.
Ein Beispiel dafür ist ein IT-Projekt, das die Bundeswehr im Sommer 2022 an die Berliner Firma 4strat vergab. Hinter 4strat steht das österreichische Unternehmen Research Industrial Systems Engineering (RISE), das wiederum enge Verbindungen zu Marsalek hat. Ein Professor aus Wien, der Geschäfte mit Marsalek tätigte, steht hinter RISE.
Trotz dieser Verbindungen sieht das Bundesverteidigungsministerium keinen Grund zur Sorge. Es hält an 4strat als Auftragnehmer fest und betont, dass keine Anhaltspunkte für Unzuverlässigkeit vorlägen. Interessanterweise zog der österreichische Verfassungsschutz die Notbremse und stoppte Aufträge an Firmen aus Marsaleks Netzwerk.
Die Diskrepanz zwischen den Reaktionen in Österreich und Deutschland ist offensichtlich. Während Österreich sensibel auf die Verbindungen zu Marsalek reagierte, sieht Deutschland kein Problem darin, Geschäfte mit Auftragnehmern aus seinem Umfeld zu tätigen. Für manche Politiker ist das ein schwer zu schluckender Widerspruch.
Die Geschichte zeigt, dass die Verflechtungen rund um den Wirecard-Skandal weitreichend sind und auch die Sicherheit Deutschlands tangieren. Die Frage, warum einige Auftragnehmer unbehelligt bleiben dürfen, während andere Konsequenzen tragen müssen, bleibt unbeantwortet. Möglicherweise braucht es noch mehr Druck von Seiten der Öffentlichkeit, damit auch in Deutschland die Konsequenzen gezogen werden, die nötig sind.
