Der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Gerhard Schindler, äußert sich positiv über die Erfolge der Nachrichtendienste bei der Abwehr von Spionageangriffen aus Russland und China. Er betont jedoch auch, dass es noch Verbesserungsbedarf gebe und fordert mehr Unterstützung von Seiten der Politik.
Frage: Herr Schindler, Russland und China spionieren aggressiv in Deutschland. Wie nehmen Sie das als Experte wahr?
Antwort: Der Ukraine-Krieg hat den Aktivitäten beider Länder einen Schub gegeben. Spionage, Sabotage und Desinformation sind seit jeher Teil der geopolitischen Strategien Russlands und Chinas.
Frage: Welche Unterschiede gibt es zwischen den Spionageaktivitäten Russlands und Chinas?
Antwort: China konzentrierte sich lange Zeit stark auf Wirtschaftsspionage, während Russland vor allem an Militärtechnologie und Sicherheitspolitik interessiert war. China hat jedoch seinen Fokus erweitert und ist nun auch verstärkt in Europa aktiv.
Frage: Die AfD scheint ein Ziel für ausländische Geheimdienste zu sein. Wie bewerten Sie das?
Antwort: Die AfD ist zweifellos ein relevantes Ziel, da sie Gedankengut vertritt, das ausländischen Interessen entgegenkommt. Zudem gibt es in der AfD Personen mit flexiblen Lebensläufen, was sie anfälliger für Anwerbungsversuche macht.
Frage: Was kann der Staat tun, um Spionage zu bekämpfen?
Antwort: Wir sollten den Sicherheitsbehörden für ihre erfolgreiche Arbeit danken und sie weiter unterstützen, statt Fehler zu suchen. Es ist wichtig, den Geheimschutz und den Wirtschaftsschutz zu stärken und die Kommunikation zwischen Agenten und ihren Auftraggebern zu überwachen.
Frage: Sind dafür zusätzliche Kompetenzen nötig?
Antwort: Ja, wir müssen die Kommunikationsüberwachung verbessern und den Nachrichtendiensten mehr Befugnisse geben, um effektiver agieren zu können.
Frage: Wie steht es um den Einsatz von Hackbacks?
Antwort: Hackbacks sind ein wichtiges Mittel zur Abwehr von Cyberangriffen. Wir sollten von Ländern wie der Schweiz lernen, die bereits Hackbacks eingeführt haben.
Frage: Wie wichtig ist die internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen Spionage?
Antwort: Internationale Zusammenarbeit ist unverzichtbar. Wir müssen Erkenntnisse verschiedener Dienste zusammenführen, um ein umfassendes Lagebild zu erhalten.
Frage: Wie wird sich die Spionage Ihrer Meinung nach entwickeln?
Antwort: Die Spionage wird zunehmen, da der Kampf um Ressourcen und Vorherrschaft eskaliert. Wir müssen uns gegen Spionage wappnen, gleichzeitig aber auch selbst aktiv Informationen sammeln.
Gerhard Schindler, vielen Dank für das Gespräch!
