Die Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft (MIG) sollte die Mobilfunkabdeckung in Deutschland revolutionieren und Funklöcher schließen. Vier Jahre und viel Geld später steht fest: Das Projekt ist gescheitert. Kein einziger Funkmast ist in Betrieb.
Von Anfang an ein Fehlstart: Gegründet vom ehemaligen Verkehrs- und Digitalminister Andreas Scheuer (CSU) stand die MIG von Anfang an unter keinem guten Stern. Das Ziel war ehrgeizig: Bis zu 5.000 Mobilfunkmasten sollten in sogenannten „weißen Flecken“ Deutschlands errichtet werden. Ein Budget von 1,1 Milliarden Euro stand bereit. Doch wie sich herausstellte, war das Projekt eher eine Baustelle als ein Baufortschritt.
Langsame Anfänge: Bereits der Start verlief schleppend. Es dauerte ein halbes Jahr, bis die ersten beiden Stellen besetzt waren. In der Zwischenzeit flossen über 200.000 Euro in externe Beratungen. Die Stellenbesetzung selbst war dreimal teurer als geplant und zog Kritik des Bundesrechnungshofs nach sich. Bis heute wurden immerhin 70 der geplanten 100 Stellen besetzt – eine beachtliche Leistung, die jedoch wenig zur Errichtung der Mobilfunkmasten beitrug.
Ernüchternde Bilanz: Tatsächlich wurden in den vier Jahren nur zwei Funkmasten gebaut, die bis heute nicht in Betrieb sind. Der erste geförderte Mast sollte im Wahlkreis von Minister Scheuer errichtet werden, was prompt als „Deutschlandpremiere bei Mobilfunkförderung“ gefeiert wurde. Doch selbst dieses Prestigeprojekt wurde nie umgesetzt. Die einzigen gebauten Masten befinden sich in Cham und im Landkreis Soest – ohne je ans Netz gegangen zu sein.
Scheuer’sches Abschiedsgeschenk: Besonders pikant: Der erste Förderbescheid ging an einen Standort im Wahlkreis des CSU-Ministers. Stolz verkündete Scheuer auf Instagram, dass das Gebiet rund um Wegscheid förderfähig sei und ein hohes Versorgungspotenzial habe. Doch gebaut wurde auch hier nichts.
Politisches Aus: Nun hat die Ampelkoalition entschieden, das Projekt aus Wirtschaftlichkeitsgründen zum Jahresende zu beenden. Andreas Scheuer hat sich mittlerweile aus der Politik zurückgezogen und wird wohl Unternehmensberater – vielleicht mit dem Tipp, wie man Projekte lieber nicht angeht.
Fazit: Das Funklochamt ist Geschichte und hinterlässt nichts als leere Versprechen und eine Menge Bürokratie. Ein trauriges Kapitel deutscher Digitalpolitik, das zeigt, wie ambitionierte Pläne an der Realität scheitern können – manchmal mit einem Hauch von tragikomischem Beigeschmack.
