Die Deutsche Telekom hat im ersten Quartal 2024 beeindruckende Zahlen vorgelegt: Ein Umsatz von 27,9 Milliarden Euro und ein operativer Gewinn (EBITDA AL) von 10,5 Milliarden Euro. Trotzdem zweifelt der Telekom-Chef, ob Deutschland je ein flächendeckendes Mobilfunknetz haben wird. Wie kann das sein?
Ein beachtliches Wachstum mit Tücken
Im Vergleich zum Vorjahr hat die Deutsche Telekom ihren Umsatz um 0,4 Prozent gesteigert und das operative Ergebnis um 5,1 Prozent verbessert. Auch die Aktionäre können sich freuen: 40 Cent pro Aktie werden ausgeschüttet. Zugegeben, das ist ein Einbruch im Vergleich zum Vorjahresquartal, als es noch 15,4 Milliarden Euro Gewinn gab – damals jedoch durch den Verkauf der Funkturm-Abteilung gepusht.
Besonders hervorzuheben sind die 4,4 Millionen Abonnenten von Magenta TV und die 5 Millionen Mobilfunkkunden in den USA, die mobiles Highspeed-Internet nutzen. Der Glasfaserausbau schreitet ebenfalls voran, mit nunmehr 1,1 Millionen FTTH-Kunden (Fiber to the Home).
50 MBit/s für alle? Nicht so schnell!
Obwohl die Telekom beeindruckende Zahlen vorlegt, sieht Vorstandschef Tim Höttges die Forderung nach einem flächendeckenden Mobilfunknetz skeptisch. Laut ihm sind solche Pläne „völlig realitätsfern“ und vor allem teuer. Die Bundesnetzagentur hat einen Plan vorgestellt, der vorsieht, bis 2030 mindestens 99,5 Prozent der Fläche Deutschlands mit 50 MBit/s zu versorgen.
Höttges meint dazu: „Die Flächendeckungsauflagen gehen am Kundennutzen vorbei, sie sind nicht verhältnismäßig und vor allem praktisch kaum umsetzbar.“ Besonders schwierig sei es, neue Funkmasten in Waldgebieten und Naturschutzgebieten aufzustellen – Gebiete, die etwa 36,5 Prozent der Fläche Deutschlands ausmachen.
Streit um Messmethoden
Ein weiterer Streitpunkt ist die Messung der Netzabdeckung. Die Bundesnetzagentur kommt auf knapp 99 Prozent, gemessen in der Nähe der Antennen. Diese Messmethode berücksichtigt jedoch nicht das tatsächliche Nutzererlebnis, sprich, wie viele Daten wirklich auf dem Smartphone ankommen. Ein Vertreter der Telekommunikationsbranche (der anonym bleiben wollte) brachte es auf den Punkt: „Der Teufel liegt im Detail. Die Frage wird sein, wie streng die Messparameter sein werden.“
Ein Blick über den Teich
Ein interessanter Aspekt: In den USA hat die Telekom unter der Marke T-Mobile 99,3 Millionen Vertragskunden. Die Zahl der Kunden, die Mobilfunk als Alternative zum Festnetz nutzen, hat erstmals die 5-Millionen-Marke überschritten. Das Wachstum scheint also auf einem anderen Kontinent weniger problematisch zu sein.
Fazit: Ein teurer Spaß?
Obwohl die Telekom beeindruckende Gewinne einfährt, bleibt die Herausforderung des flächendeckenden Netzausbaus in Deutschland bestehen. Die Realität zeigt, dass wirtschaftliche Erfolge nicht immer unmittelbar zu technischen Fortschritten führen. Die Forderungen nach einer nahezu vollständigen Netzabdeckung sind ambitioniert, aber die praktischen und finanziellen Hürden erheblich. Vielleicht sollten wir uns also fragen, ob wir nicht eher den Wald vor lauter Bäumen übersehen – oder in diesem Fall den Mobilfunkmast vor lauter Natur.
