Bayern bleibt beim Windkraftausbau weit zurück. Was machen andere Bundesländer besser?
Der Freistaat Bayern, bekannt für seine landschaftliche Schönheit und wirtschaftliche Stärke, hat ein Problem: den Ausbau der Windkraft. Trotz des großen Bedarfs und reichlich Platz bleiben die bayerischen Windräder rar. Doch warum ist das so? Und was können wir von den Spitzenreitern im Windkraftausbau lernen?
Bayern versus Restdeutschland: Ein ernüchternder Vergleich
Ein Blick auf die Zahlen ist ernüchternd: Während Nordrhein-Westfalen im ersten Quartal 2024 stolze 135 neue Windenergieanlagen genehmigte, schaffte Bayern gerade einmal neun. Schleswig-Holstein und Niedersachsen folgen mit 69 bzw. 82 neuen Genehmigungen – Bayern bleibt weit abgeschlagen. Aber was läuft hier schief?
Die 10H-Regelung: Ein Hindernis für den Fortschritt
Ein Hauptgrund ist die viel diskutierte 10H-Regelung, die seit 2014 in Bayern gilt. Diese Regelung besagt, dass der Abstand eines Windrades zur nächsten Wohnbebauung das Zehnfache der Höhe des Windrades betragen muss. Das führte dazu, dass viele potenzielle Standorte für Windräder de facto unbrauchbar wurden. Andere Bundesländer wie Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind da flexibler und haben weniger restriktive Vorgaben, was den Ausbau deutlich erleichtert.
Bayern in Bewegung: Anpassungen und neue Pläne
Bayern hat inzwischen die 10H-Regelung an einigen Stellen gelockert, etwa entlang von Autobahnen und in bestimmten Vorranggebieten. Bayerns Energieminister Hubert Aiwanger ist optimistisch: „Bereits heuer und massiv nächstes Jahr werden hier große Erfolgsmeldungen kommen.“ Doch der Weg dorthin ist noch lang. Bis Ende 2027 muss Bayern mindestens 1,1 Prozent und bis 2032 mindestens 1,8 Prozent der Landesfläche für Windenergie ausweisen. Momentan liegt Bayern erst bei 0,7 Prozent.
Vorbildliche Bundesländer: Was machen sie besser?
Andere Bundesländer sind bei der Regionalplanung weiter: Hessen hat bereits 1,9 Prozent seiner Fläche als Windenergiegebiete ausgewiesen, Schleswig-Holstein will die Zielvorgabe des Bundes sogar schon 2026 erreichen. Die Erfolgsrezepte? Weniger strikte Abstandsregelungen, schnellere Genehmigungsverfahren und umfassende Bürgerbeteiligung.
Bürgerbeteiligung: Ein Schlüssel zum Erfolg
Ein weiterer Aspekt, in dem Bayern hinterherhinkt, ist die Bürgerbeteiligung. Während Bayern noch prüft, wie eine bessere Beteiligung der Kommunen und Bürger aussehen könnte, haben andere Bundesländer längst klare Regelungen. In Nordrhein-Westfalen etwa bringt jedes neue Windrad den Gemeinden jährlich mindestens 20.000 Euro. Zudem können Bürger in NRW festverzinsliche Geldanlagen mit attraktiven Zinsen abschließen.
Der Weg nach vorne: Was Bayern tun kann
Um aufzuholen, muss Bayern seine Regionalplanung beschleunigen und klarere Regelungen zur Bürgerbeteiligung schaffen. Ein Blick nach Nordrhein-Westfalen zeigt, wie erfolgreiche Modelle aussehen können. Die Akzeptanz in der Bevölkerung steigt, wenn klar ist, dass man finanziell profitieren kann und aktiv in den Ausbau eingebunden wird.
Fazit: Ein Blick in die Zukunft
Der Ausbau der Windkraft in Bayern ist eine Herausforderung, aber keine unlösbare Aufgabe. Mit der richtigen Strategie und einem Blick auf die Erfolgsmodelle anderer Bundesländer kann Bayern den Rückstand aufholen. Vielleicht erzählen wir dann in ein paar Jahren die Geschichte vom „Bayerischen Windwunder“ – wer weiß, die Hoffnung stirbt zuletzt. Bis dahin heißt es für die bayerische Landesregierung: Ärmel hochkrempeln und den Wind der Veränderung nutzen!
