Krahs Karambolage: Die AfD und das Debakel in der ID-Fraktion

Maximilian Krah, der EU-Spitzenkandidat der AfD, hat einen handfesten Skandal ausgelöst: Alle neun AfD-Abgeordneten wurden aus der rechten ID-Fraktion im EU-Parlament ausgeschlossen. Innerhalb der Partei wird heiß diskutiert, ob der Bundesvorstand eine Mitverantwortung trägt. Doch wie groß ist der Schaden für die AfD wirklich?

Eine historische Zäsur

Statt zu feiern, steht die AfD vor einem Scherbenhaufen. Vor genau zehn Jahren zog die Partei mit 7,1 Prozent erstmals ins Europaparlament ein. Doch nun, wenige Wochen vor der Europawahl, müssen alle AfD-Abgeordneten die ID-Fraktion verlassen. „Das ist das beschissenste Geburtstagsgeschenk, das man uns hätte machen können“, kommentiert ein Parteimitglied, das anonym bleiben möchte. Der Unmut richtet sich vor allem gegen Spitzenkandidat Maximilian Krah.

Ein vorhersehbares Desaster

In der Partei hört man immer wieder denselben Satz: „Das war eine Katastrophe mit Ansage.“ Schon lange sei bekannt gewesen, dass eine Spitzenkandidatur Krahs ein hohes Risiko birgt. Vor dem Europawahlparteitag 2023 in Magdeburg hatte „Schampus Max“, wie er parteiintern genannt wird, bereits keinen guten Ruf. Dennoch wurde er auf den ersten Listenplatz gewählt. Möglicherweise haben die damals guten Umfragewerte den Blick der Delegierten getrübt.

Führung in der Kritik

In der Suche nach Ursachen fällt der Fokus schnell auf die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla. Ihnen wird vorgeworfen, unangenehme Entscheidungen vermieden zu haben. Insbesondere Weidel wird mangelnde Verantwortungsübernahme angelastet. Sie hätte Krah signalisieren müssen, dass er nicht auf Unterstützung hoffen kann.

Druck von allen Seiten

Wie so oft in der AfD kommt der Druck aus unterschiedlichen Richtungen. Einige Parteimitglieder stehen hinter Krah und sehen ihn als Opfer ungerechtfertigter Angriffe. Götz Kubitschek, ein rechtsextremer Vordenker, fordert in einem Rundbrief dazu auf, Krah den Rücken zu stärken. Diese Unterstützung verdeutlicht die internen Spannungen und den Angriff auf die Parteiführung.

Lauwarme Reaktion der Parteispitze

Die Reaktion der Parteispitze auf den Ausschluss aus der ID-Fraktion war wenig beeindruckend. Weidel und Chrupalla erklärten, die Entscheidung zur Kenntnis genommen zu haben, und zeigten sich dennoch optimistisch. Diese lauwarme Haltung lässt Zweifel aufkommen, ob die Partei die Lage ernst genug nimmt.

Sinkflug der Umfragewerte

Laut Klaus Peter Schöppner vom Meinungsforschungsinstitut Mentefactum befindet sich die AfD im Sinkflug. Bei der jüngsten Umfrage kam die Partei nur noch auf 15 Prozent. Ein gefährlicher Spiraleffekt könnte eintreten, bei dem eine Negativnachricht die nächste übertrumpft und die Performance der Partei weiter verschlechtert.

Ein Fiasko jagt das nächste

Die AfD sieht sich einer Serie von Skandalen gegenüber: Das Geheimtreffen in Potsdam, Gerichtsurteile gegen Björn Höcke, Ermittlungen gegen Petr Bystron wegen Bestechlichkeit und Geldwäsche, die Aufhebung der Immunität von Hannes Gnauck und der Spionageverdacht gegen Krahs Mitarbeiter. Hinzu kommen Krahs Aussagen zur SS in einer italienischen Zeitung.

Augen zu und durch?

Trotz der zahlreichen schlechten Nachrichten versucht die AfD, das bestmögliche Ergebnis bei der Europawahl zu erzielen. „Augen zu und durch“ lautet die Devise. Ob diese Strategie angesichts der aktuellen Situation erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten.

Die nächsten Wochen bis zur Europawahl werden zeigen, ob die AfD aus ihren Fehlern lernt oder ob der Negativtrend weiter anhält. Eines ist sicher: Krahs Karambolage hat der Partei einen herben Schlag versetzt.

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