Im Europäischen Parlament herrscht derzeit Aufregung: Ein schwerwiegender Hackerangriff auf die Personal-App „PEOPLE“ hat zahlreiche persönliche Daten von Mitarbeitern und Bewerbern offengelegt. Der Vorfall könnte aus Russland stammen und hat bereits Konsequenzen nach sich gezogen.
Ein Hackerangriff sorgt für Aufregung
Ende April wurde die Personal-App „PEOPLE“, die von Mitarbeitern des Europäischen Parlaments genutzt wird, gehackt. Der Vorfall wurde sowohl aktuellen als auch ehemaligen Mitarbeitern am Mittwoch offiziell mitgeteilt, wie der SPIEGEL berichtet. Die gehackten Daten umfassen sensible Informationen wie Familienstand, Wohnsitz, Ausbildung, Berufserfahrung, militärische Verpflichtungen und eidesstattliche Versicherungen.
Umfangreiche Datenpanne betrifft Tausende
Die App „PEOPLE“ wurde von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der EU-Abgeordneten sowie von Bewerbern genutzt, was bedeutet, dass potenziell Tausende Personen betroffen sein könnten. Ein Sprecher des Parlaments erklärte, dass alle aktiven und inaktiven Nutzer am 22. Mai gemäß den Empfehlungen des Europäischen Datenschutzbeauftragten (EDSB) detailliert informiert wurden. Cybersicherheitsexperten und die luxemburgische Polizei untersuchen den Vorfall derzeit.
Gestohlene Daten auf Telegram veröffentlicht
Laut Informationen aus Sicherheitskreisen sind bereits einzelne gestohlene Datensätze auf Kanälen des Messengerdienstes Telegram geleakt worden. Es wird vermutet, dass hinter dem Angriff eine gezielte russische Cyberoperation stecken könnte. Die „PEOPLE“-App ist momentan nicht mehr abrufbar.
Politische Reaktionen und Forderungen nach Aufklärung
Die EU-Abgeordnete Svenja Hahn (FDP) fordert eine schnelle Aufklärung des Skandals und das Schließen der Sicherheitslücken. „Wir wissen, dass autokratische Regime gezielt auf Cyberangriffe setzen, um Demokratien zu destabilisieren. Cybersicherheit der EU-Institutionen muss höchste Priorität haben“, betonte Hahn.
Patrick Breyer (Piratenpartei) sieht in den zirkulierenden Daten eine konkrete Gefahr: „Mit den jetzt zirkulierenden Daten können Kriminelle sich als Parlamentsmitarbeiter ausgeben, möglicherweise ihre Accounts übernehmen oder kündigen, insgesamt mit politischer Zielsetzung die Parlamentsarbeit maßgeblich stören.“
Zunehmende Cyberbedrohungen
Im Vorfeld der anstehenden Wahlen haben Sicherheitsbehörden verstärkt vor der Gefahr von Cyberattacken gewarnt. Bei sogenannten Hack-and-Leak-Operationen werden gestohlene Daten gezielt veröffentlicht, um politischen Schaden anzurichten. Ein Beispiel dafür war das „Taurus“-Leak, bei dem Russland eine Webkonferenz des Luftwaffenchefs Ingo Gerhartz abhörte und die Daten veröffentlichte.
Anfang Mai wurde der russische Militärgeheimdienst GRU für Cyberangriffe auf Postfächer des SPD-Parteivorstands verantwortlich gemacht. Auch SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert war betroffen. Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) äußerte sich dazu deutlich: „Staatliche russische Hacker haben Deutschland im Cyberraum angegriffen.“
Die aktuelle Situation im EU-Parlament zeigt erneut, wie wichtig es ist, die Cybersicherheit zu stärken und wachsam gegenüber digitalen Bedrohungen zu bleiben. Der Hackerangriff auf die „PEOPLE“-App ist ein Weckruf, der die Dringlichkeit von Maßnahmen zur Sicherung sensibler Daten unterstreicht.
