Ein brisanter Fall mit vielen offenen Fragen
Gegen Petr Bystron, Bundestagsabgeordneter der AfD, wird wegen Bestechlichkeit ermittelt. Besonders pikant: In seinem Wahlkreis München-Nord ist der Politiker offenbar in einer Wohnung gemeldet, in der ein vorbestrafter Flüchtling lebt.
Ein unscheinbares Haus mit viel Brisanz
Das Haus in der Münchner Augustenstraße, in dem vor zwei Wochen eine Razzia stattfand, wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Ein Bau aus den Fünfzigerjahren, mintgrüner Anstrich, sechs Stockwerke, kleine Balkone und dreißig Klingelschilder. Auf keinem steht der Name Bystron. Doch genau hier soll der AfD-Politiker offiziell gemeldet sein.
Die Ermittlungen
Die Generalstaatsanwaltschaft München ermittelt gegen Bystron wegen Bestechlichkeit und Geldwäsche. Im Bundestag verlor er seine Immunität, was zu Razzien in Berlin, Bayern und auf Mallorca führte. Auch in der Münchner Maxvorstadt rückten Beamte an, um nach Beweisen zu suchen, die Bystrons Verbindungen zu möglichen Schmiergeldzahlungen durch das Netzwerk „Voice of Europe“ aufdecken könnten. Mitschnitte des tschechischen Geheimdiensts sollen eine Geldübergabe dokumentieren, was Bystron jedoch vehement bestreitet.
Eine dubiose Meldeadresse
Nun gerät Bystron weiter unter Druck. Recherchen von ZDF frontal und „Spiegel“ ergaben, dass Bystron wohl nur zum Schein an der Adresse in der Augustenstraße gemeldet ist. Stattdessen leben dort zwei Brüder, einer von ihnen ein vorbestrafter Flüchtling aus der Türkei. Dieser Mann kam in den 1990er-Jahren nach Deutschland und wurde wegen Nötigung verurteilt. Zudem droht ihm Erzwingungshaft, weil er ein Bußgeld nicht bezahlt hat. Er behauptet, Bystron nie getroffen zu haben und kennt den Politiker nicht.
Bystrons Verteidigung
Auf Anfrage von „Spiegel“ und ZDF frontal erklärte Bystron, es handle sich um keine Scheinwohnung. Er habe einen ordnungsgemäßen Mietvertrag, werde jedoch am Einzug gehindert, weil sich der Vormieter weigere, auszuziehen. Sobald die Wohnung geräumt sei, werde er einziehen. Warum er und seine Familie in einer Einzimmerwohnung leben sollen, ließ Bystron unbeantwortet. Die AfD-Bundestagsfraktion äußerte, keine Informationen darüber zu haben.
Verbindungen und Vermutungen
Wie kam Bystron überhaupt zu dieser Adresse? Er hat in München studiert, gelebt und gearbeitet. Nach einem Rechtsstreit musste er seine vorige Wohnung räumen. Da in München Wohnraum knapp ist und Bystron eine Meldeadresse in seinem Wahlkreis haben wollte, könnte dies der Hintergrund sein. Eine Schlüsselrolle spielt möglicherweise Holger T., der Besitzer der Wohnung, der in rechten Kreisen aktiv ist und Bystrons Youtube-Kanal abonniert hat. Am Telefon behauptete er jedoch, Bystron nicht zu kennen.
Fazit: Ein Skandal vor der Europawahl
Ob die Skandale um Bystron und andere AfD-Funktionäre der Partei schaden, wird sich am 9. Juni, dem Tag der Europawahl, zeigen. Es bleibt spannend, wie sich die Enthüllungen auf das Wählerverhalten auswirken werden.
Man könnte fast sagen: In der deutschen Politik ist manchmal nicht alles so, wie es scheint – oder wo es wohnt.
