Seit kurzem dürfen Tankstellen in Deutschland den neuen Diesel-Kraftstoff HVO100 verkaufen. Dieser alternative Kraftstoff, der aus Abfallstoffen hergestellt wird, bietet einige Vorteile, ist jedoch nicht für alle Autos geeignet. Hier finden Sie die wichtigsten Fakten und Antworten auf häufig gestellte Fragen zu HVO100.
Was ist HVO100?
HVO steht für „Hydrotreated Vegetable Oils“, zu Deutsch hydrierte Pflanzenöle. Es handelt sich dabei um einen flüssigen, erneuerbaren Kraftstoff, der zu den paraffinischen Dieselkraftstoffen zählt. Hergestellt wird HVO100 hauptsächlich aus nachhaltigen Rest- und Abfallstoffen wie Altspeisefetten. Durch eine katalytische Reaktion mit Wasserstoff werden diese Pflanzenöle in Kohlenwasserstoffe umgewandelt und in ihren Eigenschaften an fossilen Dieselkraftstoff angepasst. An Tankstellen wird HVO100 in Reinform angeboten, kann aber auch herkömmlichem Diesel beigemischt werden.
Was bedeutet die Bezeichnung XTL?
Um Verwechslungen an der Tankstelle zu vermeiden, müssen Zapfsäulen mit paraffinischen Dieselarten wie HVO und E-Diesel zusätzlich zur Bezeichnung HVO100 oder E-Diesel auch die Kennzeichnung XTL tragen. XTL steht für Power-to-Liquid-Kraftstoffe, die aus festen oder gasförmigen Energieträgern wie ölhaltigen Abfall- und Reststoffen oder grünem Strom hergestellt werden.
Können alle Diesel-Autos den neuen Kraftstoff tanken?
Nicht alle Diesel-Fahrzeuge sind für HVO100 geeignet. Die Autobauer müssen das jeweilige Modell für diesen Kraftstoff freigeben. Laut einer Umfrage des ADAC sind bislang nur wenige Pkw-Modelle für HVO100 freigegeben. Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) hat in Abstimmung mit den Fahrzeugherstellern eine offizielle Freigabenliste erstellt. Autobesitzer sollten die Angaben in der Bedienungsanleitung und im Tankdeckel prüfen. Bei Unklarheiten empfiehlt der ADAC, die Eignung des Fahrzeugs individuell bestätigen zu lassen.
Wo kann man HVO100 tanken und was kostet er?
Der neue Kraftstoff HVO100 wird in Deutschland schrittweise eingeführt. In Skandinavien, den Niederlanden und Italien ist er bereits seit längerem zugelassen und weiter verbreitet. Der ADAC schätzt, dass der Preis für HVO100 bis zu 20 Cent über dem herkömmlichen B7-Diesel liegt, etwa auf dem Niveau von Premiumdiesel. Dieser höhere Preis ist vor allem auf die Herstellungskosten zurückzuführen. Aufgrund der besseren Klimabilanz fällt jedoch keine CO2-Steuer auf HVO-Diesel an.
Welche Vorteile hat HVO100?
HVO100 bietet gegenüber fossilem Diesel einige ökologische Vorteile. Laut Bundesverkehrsministerium können bei der Produktion von HVO mehr als 90 Prozent der Treibhausgas-Emissionen eingespart werden. Zwar wird bei der Verbrennung von HVO ähnlich viel CO2 freigesetzt wie bei herkömmlichem Diesel, doch da dieses CO2 aus nachwachsenden Rohstoffen stammt, ist die Klimabilanz besser. HVO100 verbrennt außerdem geruchsärmer und verursacht geringere Emissionen von Feinstaub, Partikeln und Stickoxiden.
Warum gibt es Kritik an HVO100?
Trotz der ökologischen Vorteile gibt es auch Kritik an HVO100. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bezweifelt die Nachhaltigkeit des Kraftstoffs. Der massenhafte Einsatz von altem Frittierfett, Palmöl-Nebenprodukten oder Tierfetten birgt ein hohes Betrugsrisiko. Zudem wird Wasserstoff für die Herstellung von HVO benötigt, der derzeit noch größtenteils aus fossilen Energieträgern gewonnen wird. Laut einer Studie der Unternehmensberatung PwC könnten Deutschland und die EU ihre Ziele für „grünen Wasserstoff“ aus erneuerbarer Energie verfehlen, was die behauptete Klimafreundlichkeit von HVO100 relativiert.
Fazit: Vielversprechend, aber nicht ohne Herausforderungen
HVO100 stellt eine vielversprechende Alternative zu herkömmlichem Diesel dar, besonders in Bezug auf die Reduzierung von Treibhausgasemissionen und Schadstoffen. Dennoch gibt es Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit und Verfügbarkeit des Kraftstoffs. Ob und wie sich HVO100 in Deutschland durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Fahrzeugbesitzer sollten sich gut informieren, ob ihr Fahrzeug für diesen neuen Kraftstoff geeignet ist.
