Volkswagen (VW) hat seine diesjährige Hauptversammlung wieder virtuell abgehalten und dabei einige interessante Neuigkeiten verkündet. Anders als im letzten Jahr gab es diesmal kaum Proteste. VW-Chef Oliver Blume stellte das geplante kleine Elektroauto vor, das in Süd- oder Osteuropa produziert werden soll und etwa 20.000 Euro kosten wird.
Ein kleines Elektroauto für Europa
Für Oliver Blume ist die Entscheidung, das neue Elektroauto in Europa zu bauen, ein klares Zeichen für den Standort Europa. „Damit halten wir unser Versprechen, bezahlbare Mobilität für Generationen anzubieten. Das Auto ist Ausdruck unserer Markenidentität. Ein echter Volkswagen. Aus Europa für Europa“, so Blume auf der Hauptversammlung.
Die Aktionärsschützer und Fondsgesellschaften zeigten sich jedoch weniger beeindruckt und forderten weiterhin mehr Tempo bei der Umsetzung solcher Projekte.
Gescheiterte Kooperation mit Renault
Eine mögliche Kooperation mit Renault, die VW monatelang geprüft hatte, hätte eine Chance für Europa sein können, sagte Marc Liebscher von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. „Die gescheiterte Kooperation von Volkswagen/Renault ist sehr bedauerlich. Europa muss seine Kräfte zusammenschließen gegen den übermäßig großen Konkurrenten China“, so Liebscher.
Offiziell äußerte sich VW nicht zu den Gründen für das Scheitern der Zusammenarbeit. Aus Konzernkreisen war jedoch zu hören, dass VW das kleine Elektroauto in einem eigenen Werk bauen wollte und nicht in einem Werk der Renault Gruppe. Laut der Fondsgesellschaft Union Investment ist VW vor allem bei günstigen Elektroautos kaum wettbewerbsfähig im Vergleich zu China. Es fehle ein Bestseller im Bereich der Elektromobilität, vergleichbar mit dem Golf.
Wenig Protest im Vergleich zu 2023
Die Kritik von Aktionärsschützern wie Marc Liebscher überrascht nicht. „Die großen Fonds Deka DWS, Union Investment nehmen inzwischen auch kritische Haltungen ein. Das ist der sogenannten nachhaltigen Finanzberichterstattung geschuldet“, erklärte Liebscher. Die Fonds seien inzwischen inhaltlich nicht mehr weit entfernt von den Protestierenden auf den Hauptversammlungen.
Der Protest fiel diesmal jedoch spärlicher aus, wohl auch wegen der rein digitalen Hauptversammlung. Nur am VW-Stammsitz in Wolfsburg entrollten einige Aktivisten Plakate und Banner und forderten mehr Anstrengungen in Sachen Klimaschutz.
Nachhaltigkeitsstrategie und Elektro-Strategie
VW-Chef Blume verwies auf die neue Nachhaltigkeitsstrategie des Konzerns und nannte erste Beispiele. „Unsere Ambition ist es, bis 2040 in unseren Materialien 40 Prozent Recyclingprodukte einzusetzen. Zudem wollen wir ab 2025 einen Biodiversitätsfonds mit bis zu 25 Millionen Euro pro Jahr aufsetzen.“
An der Elektro-Strategie hält VW fest. Sie sei der richtige Weg zu mehr Klimaschutz. Bis VW diesen Wandel geschafft hat, sind es allerdings vor allem die großen Verbrennermodelle, mit denen der Konzern gut verdient.
Fazit
Volkswagen geht einen weiteren Schritt in Richtung Elektromobilität und will mit einem neuen, preiswerten Elektroauto den europäischen Markt erobern. Die gescheiterte Kooperation mit Renault zeigt jedoch, dass die Herausforderungen groß sind. Während der Konzern an seiner Nachhaltigkeitsstrategie festhält, bleibt abzuwarten, wie schnell VW den Wandel zur Elektromobilität erfolgreich vollziehen kann. Die Proteste und kritischen Stimmen auf der Hauptversammlung machen deutlich, dass von Seiten der Aktionäre und Aktivisten weiterhin Druck bestehen wird.
