Kleiner Widerstand gegen große Rechte: Einblick in den Kampf gegen Extremismus auf dem Land

Blauer Himmel, Sonnenschein, ein Bilderbuchtag. Doch nicht nur die Blätter an den Bäumen werden bewegt, sondern auch schwarz-weiß-rote Reichsflaggen, die unter Trommelwirbel und mit stolzgeschwellter Brust in Gera geschwenkt werden. Hier versammeln sich rechtsextreme Gruppierungen und Parteien, um ihre Ansichten kundzutun. Doch wo bleibt der Gegenwind?

Der deutsche Rechtsstaat als Feindbild

Im April fand ein Treffen der Reichsbürger- und Selbstverwalterszene in Thüringen statt. Rund 1.000 Menschen, die den deutschen Rechtsstaat ablehnen, wünschten sich die Grenzen der Kaiserzeit zurück. Darunter auch der selbsternannte König von Deutschland, Peter Fitzek, mit seinem Fantasiestaat „Königreich Deutschland“. Auch Parteimitglieder der AfD und der „Freien Sachsen“ waren vertreten.

Jacob – Ein Aktivist trotz Bedrohung

Jacob, ein 23-jähriger Aktivist und Blogger aus Gera, dokumentiert rechte Kundgebungen und liefert Hintergrundberichte. Trotz Bedrohungen und Schikanen bleibt er standhaft. „Ich denke mal nicht, dass die Reichsbürger heute ihre Waffen dabei haben“, sagt er halb im Scherz. Doch die Reichsbürgerbewegung ist für ihre Gewaltbereitschaft bekannt, wie der Prozess gegen die sogenannte Reuß-Gruppe zeigt.

Kaum Gegenwehr gegen Rechts

Während sich die Rechten in Gera versammeln, stehen ihnen nur 50 Gegendemonstranten gegenüber. „Meist sieht man immer nur die gleichen Leute“, sagt Jacob etwas resigniert. In kleinen Städten und ländlichen Gebieten ist dies keine Seltenheit. Wer hier gegen rechte Hetze ankämpft, geht ein Risiko ein und hat nicht den Schutz der anonymen Masse.

Ocean Hale – Unermüdlich im Einsatz

Ocean Hale aus Döbeln in Sachsen organisiert Demos, Ausstellungen und politische Debatten. Trotz Hass- und Drohnachrichten bleibt sie unerschütterlich. „Wenn niemand etwas macht, wird sich nichts ändern und dann übergibt man die Region automatisch an die Rechten“, sagt Hale. Zusammen mit dem Bündnis „Bunte Perlen“ und den „Omas gegen Rechts“ steht sie regelmäßig mit Bannern auf der Straße.

Zuwächse der AfD auf kommunaler Ebene

Die AfD gewinnt zunehmend an Zuspruch, besonders bei den letzten Kommunalwahlen in Thüringen. Die Partei erreichte 25,8 Prozent der Stimmen, ein Plus von 8,1 Prozentpunkten im Vergleich zu 2019. Auch in Sachsen wird gespannt beobachtet, wie die AfD bei den kommenden Kommunalwahlen abschneiden wird. Der Verfassungsschutz stuft die AfD und die „Junge Alternative“ seit 2023 als gesichert rechtsextremistisch ein.

Fehlende Unterstützung aus den Großstädten

Für Aktivistinnen wie Ocean Hale ist es frustrierend, dass sichtbarer Gegenwind meist nur aus den Großstädten kommt. Von Massenprotesten wie in Leipzig können sie im ländlichen Raum nur träumen. „Es ist ein anderes Gefühl, mit nur 200 Leuten 300 Nazis gegenüberzustehen“, sagt Hale. Doch das sogenannte Hinterland zu verlassen, ist keine Option: „Wenn alle Personen, die moderne, tolerante, weltoffene Ansichten haben, in Großstädte ziehen, dann werden die Kleinstädte immer so braun bleiben“, erklärt Hale.

Der Kampf geht weiter

Trotz der Herausforderungen werden sich die „Bunten Perlen“, Hale und Jacob auch in Zukunft gegen die Anhänger der AfD und die „Freien Sachsen“ stellen. Ohne Sicherheitsabstand und ohne den Schutz der anonymen Masse. Denn nur durch ihren unermüdlichen Einsatz kann das Hinterland gegen rechte Hetze und Extremismus verteidigt werden.

Hinterlasse einen Kommentar