Nach dem tödlichen Messerangriff in Mannheim hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Diese Entscheidung wirft erneut die Frage auf: Wie groß ist die Bedrohung durch islamistischen Terrorismus in Deutschland?
Der Fall Mannheim: Ein Angriff aus „religiösen Gründen“
Gestern übernahm der Generalbundesanwalt den Fall des Messerangriffs in Mannheim. Während bisher nicht offiziell von einem islamistisch motivierten Anschlag gesprochen wird, bezeichnet die Bundesanwaltschaft die Tat als Angriff aus „religiösen Gründen“. Sulaiman A., der mutmaßliche Täter, soll sich im Internet radikalisiert haben. Bis zur Tat war er den Sicherheitsbehörden jedoch nicht als Islamist bekannt. Die Tat scheint gezielt gegen eine Veranstaltung der islamfeindlichen Organisation „Pax Europa“ gerichtet gewesen zu sein. Sulaiman A. ist nach einer Notoperation noch nicht vernehmungsfähig. Ein junger Polizist aus Neckarbischofsheim, eines der Opfer, verstarb am Sonntag.
Einfache Mittel, große Wirkung
Der Fall Mannheim zeigt die Herausforderung, vor der die Sicherheitsbehörden stehen: Ein Täter, der sich unbemerkt radikalisiert und mit einfachen Mitteln – in diesem Fall einem Messer – einen Anschlag verübt. Solche Angriffe bedürfen keiner großen Vorbereitung und sind schwer vorherzusehen, es sei denn, es gibt Hinweise aus dem persönlichen Umfeld des Täters.
Gefährder unter Beobachtung
Die Sicherheitsbehörden haben zahlreiche islamistische Gefährder auf dem Radar. Im Januar verzeichnete das Bundeskriminalamt 483 solcher Personen, von denen etwa 200 in Deutschland auf freiem Fuß waren. Diese Gefährder müssen regelmäßig in ihrer Gefährlichkeit bewertet werden. Nicht alle können umfassend überwacht werden, was eine ständige Priorisierung notwendig macht. Besondere Sorge bereitet der Ableger des sogenannten „Islamischen Staats“ in Afghanistan, ISPK, der auch Anschläge in Europa plant.
Erfolg bei der Prävention
Trotz der Bedrohung waren die deutschen Sicherheitsbehörden in den letzten Jahren erfolgreich darin, geplante Anschläge frühzeitig zu vereiteln. Dies gelang oft aufgrund von Hinweisen aus dem Ausland. Die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus ist jedoch wieder konkreter geworden, insbesondere durch die Aktivitäten von ISPK. Sicherheitsbehörden blicken daher mit Besorgnis auf bevorstehende Großereignisse wie die Fußball-Europameisterschaft, bei der insbesondere Public-Viewing-Veranstaltungen und ähnliche Anlässe im Fokus stehen.
Fazit: Eine ständige Herausforderung
Der Messerangriff in Mannheim hat die Diskussion um die Bedrohung durch islamistischen Terrorismus erneut entfacht. Sicherheitsbehörden stehen vor der schwierigen Aufgabe, potenzielle Gefährder zu identifizieren und Anschläge zu verhindern. Dabei zeigt sich, dass die Bedrohung real und anhaltend ist, auch wenn die Sicherheitsbehörden bisher viele Anschläge erfolgreich vereiteln konnten. Mit einem wachsamen Auge und internationaler Zusammenarbeit bleiben sie am Ball, um die Sicherheit in Deutschland zu gewährleisten – auch wenn der Weg oft beschwerlich ist.
