Elbtower in Hamburg: Ein Glücksgriff für Investor Dieter Becken?

Von Katrin Kampling, Tobias Lickes und Marc-Oliver Rehrmann

Der Hamburger Elbtower, ein Projekt mit Ambitionen und Schwierigkeiten, steht still. Seit über sieben Monaten ruht der Bau an den Elbbrücken, nachdem die Signa-Gruppe pleiteging. Nun will der Hamburger Immobilienunternehmer Dieter Becken das Steuer übernehmen und den Bau vollenden. Doch was genau hat er vor?

Der Turm in Beckens Blickfeld

Dieter Becken, stets mit einem Fernglas im Büro ausgerüstet, kann den Rohbau des Elbtowers aus dem 12. Stock seines Firmensitzes nahe der Binnenalster sehen. Doch der unfertige Bau, der seit Oktober 2023 auf einer Höhe von 100 Metern verharrt, ist ihm ein Dorn im Auge. „Wer möchte schon auf einen halben Turm schauen?“, fragt Becken und betont: „Hamburg verdient, dass dieses Projekt vollendet wird. Es ist ein Highlight für die Stadt und gehört genau dorthin.“

Erfahrung trifft auf Herausforderung

Becken bringt 45 Jahre Erfahrung im Immobiliengeschäft mit, darunter der Bau von fünf Hochhäusern in Hamburg. Er ist überzeugt, dass er die Kosten und die Komplexität des Elbtowers meistern kann. Sein Plan: Erst dann weiterbauen, wenn die Finanzierung vollständig gesichert ist – ein Ansatz, der ihn von Signa-Gründer René Benko unterscheidet, der ohne ausreichende Finanzierung startete und schnell in finanzielle Schwierigkeiten geriet.

Finanzierung und Mietersuche

Der Elbtower erfordert Investitionen von bis zu 500 Millionen Euro. Becken ist optimistisch, die nötigen Partner zu finden. „Ich habe gute Hoffnung, dass wir die nötigen Abschlüsse in den nächsten Wochen erreichen“, sagt er. Etwa die Hälfte der Finanzierung sei bereits gesichert.

Doch Geldgeber sind nur ein Teil der Herausforderung. Becken benötigt auch Mieter, die bereit sind, die hohen Mieten im dritthöchsten Bürogebäude Deutschlands zu zahlen. Gespräche mit zwei Interessenten laufen, die zusammen etwa 40.000 bis 45.000 Quadratmeter Fläche mieten würden – rund 35 bis 40 Prozent der Gesamtfläche. Für den Rest rechnet Becken mit einer guten Vermietbarkeit während der Bauzeit.

Konkurrenz und Entscheidung

Insolvenzverwalter Torsten Martini hat die Aufgabe, das beste Kaufangebot zu wählen. Neben Becken gibt es etwa fünf weitere Interessenten aus dem In- und Ausland. Martini plant, die Kaufverträge bis Herbst zu unterzeichnen und den Verkaufsprozess bis Jahresende abzuschließen. Die Hamburger SPD begrüßt eine private Lösung, während die Linken Transparenz und Mitsprache für die Bürgerschaft fordern.

Der Weg zum Abschluss

Derzeit herrscht Stillstand auf der Baustelle des Elbtowers, lediglich Sicherungsarbeiten werden durchgeführt. Die laufenden Kosten belaufen sich auf einen niedrigen sechsstelligen Betrag pro Monat. Becken hofft, im Sommer 2025 weiterbauen zu können, wenn sein Konsortium den Zuschlag erhält. In einigen Jahren könnte er dann stolz durch sein Fernglas den fertigen Elbtower in der Hamburger Skyline betrachten.

Fazit: Ein Risiko, das sich lohnen könnte

Der Elbtower bleibt ein ehrgeiziges Projekt, das Herausforderungen und Chancen bietet. Dieter Becken ist bereit, dieses Wagnis einzugehen und den Turm zu vollenden. Wenn alles nach Plan läuft, könnte der Elbtower nicht nur ein architektonisches Highlight, sondern auch ein Symbol für Hamburgs Entschlossenheit und Vision werden.

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