Der versteckte Angriff auf unsere Privatsphäre
Am Mittwoch, den 19. Juni, soll im Rat der EU über die umstrittene Chatkontrolle abgestimmt werden. Der belgische Vorsitz hat einen neuen „Kompromiss“ vorgelegt, der jedoch nichts an den grundlegenden Bedenken ändert. Der Chaos Computer Club (CCC) warnt: Der massenhafte Angriff auf die Verschlüsselung unserer Kommunikation wird geschickt verschleiert.
Erzwungene Freiwilligkeit: Ein Paradox
Laut dem belgischen Vorschlag müssen Nutzer*innen der Chatkontrolle aktiv zustimmen, um weiterhin Bilder und Videos versenden zu können. Wer nicht zustimmt, darf diese Funktionen nicht mehr nutzen. „Von Freiwilligkeit kann hier keine Rede sein“, erklärt Linus Neumann, Sprecher des CCC. Es handelt sich eher um eine Zwangsmaßnahme, die Nutzende vor die Wahl stellt: Überwacht werden oder wesentliche Kommunikationsfunktionen verlieren.
Scanning und die Illusion der Sicherheit
Ein zentrales Argument der Befürworterinnen der Chatkontrolle ist, dass die Verschlüsselung selbst nicht angegriffen wird. Stattdessen sollen alle Inhalte direkt auf den Geräten der Nutzerinnen gescannt werden, bevor sie verschlüsselt übertragen werden. Meredith Whittaker, Präsidentin des verschlüsselten Messengers Signal, bringt es auf den Punkt:
„Die Anordnung zur Massenüberwachung privater Kommunikation untergräbt die Verschlüsselung grundlegend. Punkt.“
https://signal.org/blog/pdfs/upload-moderation.pdf
Die Manipulation der Überwachungsdebatte ändert nichts an der Tatsache, dass die Privatsphäre der Nutzerinnen massiv beeinträchtigt wird. Keine einzige Expertin hat sich von dieser rhetorischen Täuschung blenden lassen.
Anlasslose Überwachung: Ein nutzloses Instrument
Der CCC hat bereits vor über einem Jahr betont, dass Kriminelle längst Wege nutzen, die von solchen Scans nicht erfasst werden. Messenger und soziale Netzwerke eignen sich nicht für die Verbreitung illegaler Inhalte. Diese Tatsachen sind allgemein bekannt, werden jedoch in der Debatte um die Chatkontrolle ignoriert.
Fazit: Ein fauler Kompromiss
Der belgische „Kompromiss“ zur Chatkontrolle ist in Wahrheit kein Kompromiss, sondern ein Kuhhandel auf Kosten der Privatsphäre aller Bürger*innen. Der CCC erinnert daran, dass sich an den grundlegenden Problemen der Verordnung nichts geändert hat. Die Chatkontrolle bleibt ein massiver Eingriff in die Privatsphäre und ein Angriff auf die Verschlüsselung, getarnt als Sicherheitsmaßnahme.
Es ist an der Zeit, dass wir uns bewusst werden, was auf dem Spiel steht und uns gegen diese Maßnahmen wehren. Unsere private Kommunikation ist ein Grundrecht, das nicht leichtfertig aufgegeben werden sollte – auch nicht für vermeintliche Sicherheitsgewinne.
