Knapp zweieinhalb Monate vor der Landtagswahl in Sachsen sorgt der Sachsentrend für spannende Schlagzeilen: Die AfD bleibt laut einer MDR-Wahlumfrage zwar die stärkste Kraft, verliert jedoch an Unterstützern. Die CDU folgt knapp dahinter, während das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) deutlich zulegen kann und als neuer Mehrheitsbeschaffer gehandelt wird. Grüne und SPD bleiben stabil, die Linke rutscht weiter ab.
AfD führt, aber mit Verlusten
Laut dem Sachsentrend von Infratest Dimap kommt die AfD, wenn am Sonntag Landtagswahlen wären, auf 30 Prozent – fünf Prozentpunkte weniger als bei der letzten Umfrage Ende Januar. Damit bleibt sie dennoch knapp vor der CDU, die mit 29 Prozent (-1 Prozentpunkt) folgt.
BSW im Aufwind
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) legt in der Umfrage um sieben Prozentpunkte zu und erreicht jetzt 15 Prozent. Im Januar war noch unklar, ob das BSW überhaupt zur Wahl antritt. Nun könnte es zum Königsmacher werden.
Grüne und SPD stabil, Linke im Sinkflug
Grüne und SPD bleiben mit jeweils sieben Prozent stabil, während die Linke weiter abrutscht und mit drei Prozent (-1 Prozentpunkt) den Einzug in den Landtag verpassen würde. Alle anderen Parteien kommen zusammen unverändert auf neun Prozent, darunter auch die seit 2019 nicht mehr im Landtag vertretene FDP.
Sachsentrend erklärt
Der Sachsentrend ist eine repräsentative Studie im Auftrag des MDR. Infratest Dimap befragte dazu vom 12. bis 18. Juni 1.157 Wahlberechtigte. Die Ergebnisse spiegeln einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess wider und erlauben nur bedingt Rückschlüsse auf den Wahlausgang. Viele Wähler entscheiden sich erst kurzfristig vor der Wahl. Die sogenannte Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen und nicht das tatsächliche Wahlverhalten.
Kretschmer und die Landesregierung
Die schwarz-grün-rote Landesregierung unter Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat leicht an Zustimmung gewonnen. 43 Prozent der Befragten sind zufrieden oder sehr zufrieden, drei Prozentpunkte mehr als beim letzten Sachsentrend. 52 Prozent sind weniger oder gar nicht zufrieden.
Bei einer hypothetischen Direktwahl würde Kretschmer mit 58 Prozent klar vorne liegen. Jörg Urban von der AfD käme auf lediglich 17 Prozent.
Regierungsbildung bleibt knifflig
Eine Landesregierung unter Unions-Führung würde nach jetzigem Stand neue Parteienbündnisse erfordern, vermutlich unter Einbeziehung des BSW. Auch die BSW-Anhänger bevorzugen mehrheitlich den amtierenden CDU-Regierungschef Kretschmer (61 Prozent) für die sächsische Staatskanzlei.
Zuwanderung und Bildung als Top-Themen
Die wichtigsten Themen für die Befragten sind Zuwanderung (44 Prozent) und Bildung (19 Prozent). Soziale Ungleichheit (12 Prozent) und die Wirtschaftslage (11 Prozent) folgen. Innere Sicherheit spielt mit 10 Prozent eine geringere Rolle.
Sorgen um die Demokratie
Zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) sorgen sich, dass die Kräfteverhältnisse nach der Wahl keine stabile Regierung zulassen könnten. 69 Prozent machen sich zudem Sorgen um den Zustand der Demokratie in Sachsen. Besonders beunruhigt sind Anhänger der Grünen (97 Prozent), SPD (81 Prozent) und CDU (75 Prozent). Auch 57 Prozent der AfD-Sympathisanten teilen diese Sorge.
BSW als neues Wählerangebot
Das neue Wählerangebot BSW wird von 59 Prozent der Befragten positiv bewertet. Besonders AfD-Anhänger (69 Prozent) und CDU-Befürworter (52 Prozent) sehen das BSW als Bereicherung. Grünen-Wähler lehnen das BSW am stärksten ab (65 Prozent).
Ablehnung der AfD-Regierung wächst
Eine Koalition mit der AfD finden 41 Prozent der Befragten gut, während 55 Prozent (+5 Prozentpunkte) eine AfD-Beteiligung an der Landesregierung kritisch sehen. Die stärkste Ablehnung kommt von Grünenwählern (100 Prozent), SPD-Anhängern (93 Prozent) und CDU-Klientel (83 Prozent). BSW-Sympathisanten sind mit einer AfD-Beteiligung weniger problematisch, jeder dritte könnte sich das vorstellen (36 Prozent).
Sachsen steht vor einer spannenden Landtagswahl. Der politische Landschaft dürfte sich mit neuen Bündnissen und unerprobten Koalitionen verändern. Bleiben Sie dran – es bleibt spannend!
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