Was steckt hinter diesem Schreiben, das sich inzwischen weit über die Berliner AfD hinaus verbreitet hat? Lässt hier ein persönlich gekränkter Mitarbeiter Dampf ab oder hat die Fraktion ein ernstes Problem? Die Fraktionsführung der AfD lässt durch einen Sprecher nur mitteilen: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns zu Personalangelegenheiten öffentlich nicht äußern.“ Hintergrund der knappen Reaktion ist vermutlich, dass man den Schreiber nicht aufwerten will, indem man die Vorwürfe kommentiert.
Aus Kreisen der Fraktion wurde dem rbb aber versichert, die Vorwürfe seien „komplett an den Haaren herbeigezogen“, es handele sich um „wilde Behauptungen“, die man nicht ernst nehmen könne. Der Mann sei auch im AfD-Bezirksvorstand in Treptow-Köpenick und der dortigen BVV regelmäßig angeeckt.
Namentlich wollte sich nur der Abgeordnete Robert Eschricht äußern. Gegenüber dem rbb wies es die persönlichen Anwürfe des Referenten als „unwahr“ zurück. „Ich weiß, dass er sich in einer persönlichen Krise befindet und wünsche ihm viel Glück und gute Besserung.“
Für die AfD-Fraktion unter Chefin Kristin Brinker sind die heftigen internen Anwürfe, die an die Öffentlichkeit gelangen, eine ungewohnte Situation. Zwar gibt es unter den Abgeordneten durchaus einzelne, die Brinkers Auftreten nicht aggressiv genug finden und ihr auch eine gewisse Mitschuld daran geben, dass das AfD-Ergebnis bei der Wiederholungswahl 2023 niedriger ausfiel als erwartet. Aber solche Kritik kommt nur vereinzelt und unter der Hand.
Als Reaktion auf das Abrechnungsschreiben zeigt sich die AfD-Fraktion demonstrativ geschlossen. Wie der rbb aus Fraktionskreisen erfuhr, entschied die Fraktion am Donnerstag einstimmig, dem Referenten fristlos zu kündigen. Außerdem wird überlegt, ein Parteiordnungsverfahren mit dem Ziel des Parteiausschlusses anzustoßen.
„Komplett an den Haaren herbeigezogen“
Kommentar verfassen
