SAP und der große Exodus: Mehr Freiwillige als geplant wollen gehen

Beim Software-Riesen SAP läuft der geplante Stellenabbau offenbar anders als gedacht. Eigentlich sollten vor allem ältere Arbeitnehmer durch attraktive Abfindungsangebote und Vorruhestandsregelungen zum freiwilligen Ausscheiden bewegt werden. Nun zeigt sich jedoch, dass auch viele jüngere Mitarbeiter gerne das Unternehmen verlassen möchten – mehr, als SAP ursprünglich eingeplant hatte.

Abfindungsangebote übertroffen

Laut einem aktuellen Bericht des Handelsblatts, der sich auf Unternehmensquellen und den Betriebsrat stützt, haben sich insgesamt 5300 SAP-Angestellte für die angebotenen Abfindungsprogramme beworben. Das entspricht mehr als 20 Prozent der gesamten deutschen Belegschaft. Davon sind jedoch nur 3200 Mitarbeiter über 55 Jahre alt und somit für den Vorruhestand berechtigt. Die übrigen 2100 Mitarbeiter haben Interesse am sogenannten „Freiwilligenprogramm“ gezeigt, das den Wechsel zu anderen Arbeitgebern mit einer Abfindung unterstützt.

Mehr als geplant wollen gehen

SAP hatte ursprünglich vorgesehen, nur rund die Hälfte der Anträge zu genehmigen. Bei den Vorruhestandsangeboten soll das Unternehmen 99 Prozent der Anträge annehmen, während beim Freiwilligenprogramm nur etwa 50 Prozent der Bewerbungen genehmigt werden sollen. Der goldene Handschlag, den das Unternehmen seinen Mitarbeitern bietet, scheint also sehr verlockend zu sein. Es könnte jedoch noch Monate dauern, bis über alle Anträge endgültig entschieden wird.

Gründe für den Frust

Die schlechte Stimmung bei SAP hat verschiedene Gründe. Viele Mitarbeiter sind unzufrieden mit den allgemeinen Umstrukturierungen und Gehaltsrunden, die nicht einmal einen Inflationsausgleich bieten. Besonders kritisiert wird jedoch die neue Präsenzpflicht, die eine Anwesenheit an mindestens drei Tagen pro Woche im Büro vorschreibt. Diese Regelung wurde eingeführt, um die Einarbeitung neuer Mitarbeiter zu gewährleisten. Betroffen sind jedoch auch viele langjährige Mitarbeiter, die schon vor der Corona-Pandemie hauptsächlich im Home-Office gearbeitet hatten.

Unmut über Präsenzpflicht

Die Einführung der Büropräsenzpflicht sorgt für großen Unmut. Ähnliche Proteste gab es auch bei anderen Unternehmen, wie kürzlich bei Dell, wo sich knapp die Hälfte der Mitarbeiter gegen eine Rückkehrpflicht ins Büro aussprach. SAP-Mitarbeiter berichten, dass die langjährige Praxis des „Vertrauensarbeitsorts“ nun plötzlich nicht mehr gilt, was zu weiterem Frust und Abwanderungswünschen führt.

Fazit

SAP steht vor einer unerwarteten Herausforderung: Der geplante Stellenabbau hat eine größere Welle an Freiwilligen ausgelöst, als das Unternehmen verkraften kann. Die Gründe für die Abwanderung sind vielfältig, von unzureichenden Gehaltsanpassungen bis hin zur umstrittenen Büropräsenzpflicht. Für SAP bleibt zu hoffen, dass die Abgänge nicht zu einem unerwünschten Verlust an Know-how und Erfahrung führen – denn wer hätte gedacht, dass so viele Mitarbeiter plötzlich Lust auf Veränderung haben?

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