Höhere Trassenpreise: Mehr Kosten, weniger Züge?
Auf Bahnreisende könnten bald harte Zeiten zukommen. Grund dafür sind steigende Kosten für die Nutzung des Schienennetzes, die sowohl zu höheren Ticketpreisen als auch zu weniger Verbindungen führen könnten. Wie der Deutsche Bahn-Konzern mitteilt, werden ab Jahresende um 17,7 Prozent höhere Trassenpreise für Fernzüge fällig. Die Konsequenzen dieser Preiserhöhung sind gravierend: Schlechter ausgelastete Züge könnten aus dem Fahrplan gestrichen werden, und die Ticketpreise könnten ansteigen.
Welche Verbindungen sind gefährdet?
Laut einem Bericht des Spiegels könnte die Deutsche Bahn im kommenden Jahr insbesondere das Angebot an Intercity-Zügen reduzieren. Betroffen sind vor allem Verbindungen in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Konkret auf der Streichliste stehen unter anderem die folgenden Strecken:
- Karlsruhe – Stuttgart – Aalen – Crailsheim – Nürnberg – Leipzig (Intercity-Linie 61)
- Gera – Weimar – Erfurt – Gotha – Kassel – Dortmund – Köln (Intercity-Linie 51)
- Norddeich Mole – Münster – Dortmund – Siegen – Frankfurt/Main (Intercity-Linie 34)
Auch das Angebot an ICEs nach Stralsund könnte in der Nebensaison stark reduziert werden. Diese Strecken gehören zu den am schwächsten ausgelasteten Zügen der Deutschen Bahn.
Keine konkreten Pläne zur Streichung?
Die Deutsche Bahn weist den Bericht des Spiegels zurück. „Es gibt aktuell keine konkreten Pläne zur Streichung der genannten Fernverkehrsverbindungen“, erklärte Personenfernverkehrs-Vorstand Michael Peterson. Der Fahrplan 2025 sei bereits abgeschlossen und sehe keine solchen Angebotskürzungen vor. Allerdings könne die Bahn angesichts der steigenden Trassenpreise nicht ausschließen, das Fahrplanangebot bundesweit zu überprüfen.
Ein Weckruf für die Politik?
Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert die möglichen Streichungen scharf. „Man kann den Fernverkehr nicht einfach einstellen und die Leute mit dem Nahverkehr zur nächsten Stadt bummeln lassen“, sagte Bundesvorsitzender Detlef Neuß. Wenn sich die wirtschaftliche Lage der Bahn nicht rechne, müsse mehr Geld vom Staat dazugegeben werden. Es gehe um die Daseinsvorsorge und ein ausreichendes Angebot in der Fläche.
Die Kostenfrage
Grund für die drohenden Streichungen ist die geplante Eigenkapitalerhöhung bei der Bahn. Diese soll bis zu 20 Milliarden Euro betragen und wird benötigt, um das marode Schienennetz zu erneuern. Allerdings führen die höheren Eigenkapitalkosten zu höheren Zinsen, die wiederum über die Trassenentgelte an die Nutzer weitergegeben werden. Für 2025 erhöhen sich die Trassenpreise für den Fernverkehr um 17,7 Prozent, während der Regionalverkehr gesetzlich weniger belastet werden darf.
Toxischer Mix aus höheren Kosten und maroder Infrastruktur
Die höheren Trassenpreise stellen die DB Fernverkehr AG vor erhebliche Herausforderungen, die angesichts der wirtschaftlichen Lage nicht kompensiert werden können. Auch andere Bahnbetreiber, vor allem im Güterverkehr, klagen über die Kostensteigerungen. Die Befürchtung ist, dass diese Entwicklungen zu einer Verlagerung des Verkehrs auf die Straße führen könnten.
Mehr Geld für die Schiene nötig
Pro Bahn fordert eine höhere Gegenfinanzierung der Infrastruktur durch den Staat. Der zusätzliche Finanzierungsbedarf für die Schiene bis 2027 beträgt insgesamt 45 Milliarden Euro, doch mit den derzeitigen Plänen stehen nur etwa 27 Milliarden Euro zur Verfügung. Neuß betont, dass über die kommenden Jahre eher 60 bis 90 Milliarden Euro nötig wären, um das Schienennetz zu erneuern.
Fazit: Ein Balanceakt zwischen Wirtschaftlichkeit und Daseinsvorsorge
Die Deutsche Bahn steht vor der Herausforderung, ihre Wirtschaftlichkeit zu sichern und gleichzeitig ein umfassendes und zuverlässiges Angebot im Fernverkehr zu gewährleisten. Ob die nötigen finanziellen Mittel bereitgestellt werden, um die Infrastruktur nachhaltig zu verbessern, bleibt abzuwarten. Klar ist: Eine Verlagerung der Verkehrslast auf die Straße kann nicht die Lösung sein. Die Politik ist gefordert, hier entschlossen zu handeln.
