Von Ausgangssperren für Migranten bis hin zu eingeschüchterten Journalisten – die französische Stadt Fréjus zeigt, was passiert, wenn Marine Le Pens Partei die Macht übernimmt.
Ein Bürgermeister und seine „beste Freundin“
David Rachline, von Marine Le Pen einst als ihr „bester Freund“ bezeichnet, regiert die Mittelmeerstadt Fréjus seit zehn Jahren. Unter seiner Führung, die symbolisch für die rechtsextreme Rassemblement National (RN) steht, hat sich das Stadtbild drastisch verändert. Mit den bevorstehenden Parlamentswahlen könnte Le Pens Partei eine Mehrheit erlangen und möglicherweise die Regierung übernehmen – eine Aussicht, die viele Bürger beunruhigt.
Politische Unfälle und neue Allianzen
Rachlines Aufstieg zum Bürgermeister war ein politischer Unfall. In der traditionell konservativen Region spaltete sich die lokale Partei aufgrund von Skandalen und internen Konflikten. Diese Spaltung nutzte Rachline geschickt aus und gewann die Wahl. Seitdem sind viele Oppositionelle zu ihm übergelaufen, einschließlich ehemaliger Unterstützer von Präsident Emmanuel Macron.
Ein idyllisches Bild mit dunklen Schatten
Auf den ersten Blick erscheint Fréjus wie eine typische provenzalische Stadt mit pastellfarbenen Häusern, schattigen Café-Terrassen und einem römischen Amphitheater. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich eine weniger idyllische Realität. Rachline versuchte, eine Ausgangssperre für ein Viertel zu verhängen, in dem viele jugendliche Geflüchtete leben – eine Maßnahme, die jedoch gerichtlich gestoppt wurde. In den ärmeren Vororten wurden Sprachkurse und geplante Kitas gestrichen, und soziale Zentren erhielten keine finanziellen Mittel mehr.
Kontrolle über Medien und Vereine
Marie José De Azevedo, Rachlines ehemalige Grundschullehrerin, berichtet von zunehmender Kontrolle durch den RN. Journalisten der Lokalzeitung werden eingeschüchtert, und die Berichterstattung ist merklich unkritischer geworden. Vereine, die sich gegen die rechtsextreme Politik stellen, verlieren ihre Subventionen oder werden aus kommunalen Räumen vertrieben. Auch wurden neue Vereine von Parteikadern gegründet, die die demokratischen Vereine verdrängen sollen.
Politische Einschüchterung und Angst
Rachline hat es geschafft, RN-Funktionäre in Entscheidungspositionen zu bringen. Die Macht der Vereine in kleinen französischen Städten ist enorm, und Rachline nutzt dies geschickt aus. Viele Bürger haben Angst, offen Kritik zu äußern, und politische Diskussionen sind gefährlich geworden. Emmanuel Bonnemain, ein Anwalt und Oppositionsführer, beschreibt die Atmosphäre als extremistisch und bedrohlich.
Korruption und Vetternwirtschaft
Im November legte die Journalistin Camille Vigogne Le Coat in ihrem Buch „Die Raubvögel“ mafiöse Strukturen in Fréjus offen. Rachline wird beschuldigt, ausschweifende Feste auf Jachten zu feiern und wertvolle Grundstücke an wohlhabende Bauunternehmer zu verkaufen. Diese Verstrickungen führten zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, doch Rachline bestreitet alle Vorwürfe.
Ein bedrückendes Bild
Die Veränderungen in Fréjus sind bedrückend. Viele Vereine und Organisationen, die sich gegen die rechtsextreme Politik wehrten, sind verschwunden oder inaktiv. Menschen wie Tarik Belkhodja, der einst Geflüchteten half, haben die Stadt verlassen. Belkhodja ist nach Kamerun ausgewandert und leitet dort eine humanitäre Organisation.
Die ehemalige Lehrerin De Azevedo erinnert sich an Rachline als einen schüchternen und oft gehänselten Schüler. Heute ist seine Mutter Stadträtin und kümmert sich um das Tierwohl in Fréjus.
Fazit: Ein düsteres Szenario
Die Entwicklungen in Fréjus sind ein warnendes Beispiel dafür, was passieren kann, wenn rechtsextreme Kräfte die Kontrolle übernehmen. Die politische Landschaft verändert sich schnell und drastisch, und der Widerstand gegen diese Veränderungen ist oft schwieriger als erwartet.
Humorvoller Nachsatz:
Falls Sie überlegen, nach Fréjus zu ziehen – bringen Sie besser Ihre eigenen Sprachkurse mit. Die gibt es dort nämlich nicht mehr.
