Von der Katastrophe zur Innovation: KI im Einsatz für Rettungskräfte
Das Hochwasser im Ahrtal im Sommer 2021 hat gezeigt, dass Deutschland bei der Katastrophenprävention und -bewältigung noch erheblichen Verbesserungsbedarf hat. Die suboptimale Reaktion auf die Warnungen und das Krisenmanagement führten sogar zum Rücktritt des rheinland-pfälzischen Innenministers Roger Lewentz. In Zukunft sollen solche Fehler vermieden werden – mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI).
Der hektische Alltag von Rettungskräften
Für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), also Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste, ist der Alltag oft hektisch. Es gibt eine Vielzahl von Daten und technischen Hilfsmitteln, die die Rettungskräfte unterstützen sollen. Doch nicht alle dieser Hilfsmittel sind optimal integriert oder ausreichend effektiv. Immer mehr setzt man daher auf KI-Anwendungen, die den Rettern bei ihrer Arbeit helfen können.
KI bei der Lageerkundung
Experten sind sich einig, dass KI besonders großes Potenzial bei der Lageerkundung hat. Sirko Straube, stellvertretender Leiter des Robotics Innovation Centers beim Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), betont, dass KI dabei helfen kann, möglichst schnell eine Übersicht über den Einsatzort zu bekommen. Drohnenkameras und Wearables liefern dabei wichtige Daten, die in der Leitstelle ausgewertet werden.
Frühwarnsysteme und präzise Vorhersagen
Katharina Weitz vom Heinrich-Hertz-Institut (HHI) erläutert das EU-geförderte Projekt Tema, das das Krisenmanagement bei Naturkatastrophen verbessern soll. Hierbei werden Daten von Drohnen, Sensoren und Satelliten genutzt. KI-basierte Objekterkennung kann dann Phänomene wie Massenpaniken oder Brandherde identifizieren. Wichtig ist, dass die Vorhersagen der KI auch für Menschen nachvollziehbar sind. Hier kommt die Layer-wise Relevance Propagation (LRP) ins Spiel, die erklärt, warum die KI eine bestimmte Entscheidung getroffen hat.
Herausforderungen durch Datenschutz und AI Act
Einer der Knackpunkte bei der Nutzung von KI ist der Datenschutz. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) stellt hohe Anforderungen an den Umgang mit personenbezogenen Daten. Auch der neue AI Act sorgt für Unsicherheiten, da er zusätzliche rechtliche Hürden aufstellt. Viele befürchten, dass der AI Act die Nutzung von KI in der Praxis erschwert.
Praktische Anwendungen und technologische Hürden
Simon Franke vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) sieht in der Nutzung von KI großes Potenzial, um ein einheitliches Lagebild zu bekommen. Er betont jedoch, dass viele der bestehenden Systeme noch nicht ausreichend integriert sind. Das ITC des DRK konzentriert sich daher auf „integrierte Leitstellen“, um den Datenaustausch zu verbessern. Zudem müssen die technischen Infrastrukturen für die Nutzung von KI noch weiter ausgebaut werden.
Projekte und Initiativen
Das Projekt Aircis, gefördert vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr, arbeitet daran, die Rettungskette unter dem Einfluss von Extremwetterereignissen zu simulieren und zu planen. Ein digitales Zwillingmodell soll dabei helfen, Anfahrtswege und Einsatzstrategien zu optimieren.
Das HHI ist zudem in das Projekt MedEWsa involviert, das die Prävention von Naturgefahren durch KI verbessern soll. Eine deutsche Variante ist das Projekt Daki, das sich auf die Entwicklung eines Dashboards zur rechtzeitigen Information von Industrie, Öffentlichkeit und Politik konzentriert.
Fazit: Der Weg in eine sichere Zukunft
KI hat das Potenzial, die Arbeit von Rettungskräften erheblich zu erleichtern und die Sicherheit der Bevölkerung zu erhöhen. Doch es gibt noch viele Hürden zu überwinden, sei es in technischer oder rechtlicher Hinsicht. Wichtig ist, dass die Vorteile der KI-Technologie klar kommuniziert und die Systeme so entwickelt werden, dass sie den Arbeitsablauf der Rettungskräfte unterstützen, ohne zusätzliche Komplexität einzuführen. Nur so kann die Digitalisierung im Rettungswesen erfolgreich vorangetrieben werden – zum Wohl aller.
